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06.12.2017 | Nora Brockamp

JIM-Studie 2017 – Das Wichtigste in Kürze

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) veröffentlichte vergangene Woche seine über 60-seitige Studie über den Umgang mit Medien bei Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren. Und trotz ihres jährlichen Turnus bringt sie jedes Jahr ein paar neue Informationen und auch die Jugend entwickelt sich stetig weiter. Wir fassen für Sie die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Was wir bereits wussten

Manche Informationen sind nichts Neues und dennoch sollten sie für den pädagogischen Alltag nicht aus dem Blick verloren werden. MP3-Player verlieren erwartungsgemäß an Bedeutung, der Besitz von Desktop-Computern und Laptops geht ebenfalls zurück. Die anderen Medien bleiben in der Besitzrate seit Jahren auf dem gleichen Niveau, auch Tablet-PCs stagnieren bei etwa 30 Prozent.

 

Der Besitz eines Smartphones ist mit 97% bei den zwölf- bis 19-jährigen zur Selbstverständlichkeit geworden. Es ist das am häufigsten genutzte Gerät zum digitalen Spielen und mit 81 Prozent zugleich das Medium, das hauptsächlich zur Internetnutzung verwendet wird. Das ist besonders deshalb relevant, da die zeitliche Internetnutzung insgesamt weiter ansteigt, im Vergleich zum letzten Jahr sogar um 10 Prozent.

Was Jugendliche im Internet tun

Die vier beliebtesten Angebote im Netz sind die Videoplattform YouTube, der Messenger WhatsApp, die soziale Fotoplattform Instagram und schließlich Snapchat als Foto- und Videomessenger, dessen Nachrichten sich nach wenigen Sekunden selbst löschen. Erst dann schließt sich das Soziale Netzwerk Facebook an.

 

Bei der Frage nach den liebsten Apps sieht die Reihenfolge wiederum anders aus:

  1. WhatsApp (88 Prozent)
  2. Instagram (39 Prozent)
  3. Snapchat (34 Prozent)
  4. YouTube (32 Prozent)
  5. Verschiedene Spiele-Apps (16 Prozent)
  6. Facebook (13 Prozent)

Im Durchschnitt nutzen Jugendliche innerhalb einer Woche sieben verschiedene Apps. Die beliebtesten Apps verteilen sich also auch nicht auf verschiedene Zielgruppen, Jugendliche haben eine breit aufgestellte App-Nutzung.

 

Informationen rund um das Thema Smartphones und Apps finden Sie hier.

Wie Jugendliche audiovisuelle Medien konsumieren

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Neben der Internetnutzung ist auch die Zeit vor dem klassischen Fernsehgerät um ungefähr ein Zehntel im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Doch zugleich sehen die Hälfte der Jugendlichen mindestens mehrmals in der Woche Sendungen, Serien oder Filme bei YouTube an.

 

Inhaltlich sind bei den jugendlichen YouTube-Nutzer/-innen Musikvideos am beliebtesten (mehrmals pro Woche), gefolgt von Comedy, lustigen Clips, Let’s-Play-Videos und (mit immer noch 29 Prozent) Videos mit aktuellen Nachrichten. Auf der Liste der beliebtesten Kanäle stehen bereits aus dem letzten Jahr bekannte Gesichter: Julien Bam, Bibis Beauty Palace, Gronkh und LeFloid.

 

Weitere Informationen zum Thema Fernsehen finden Sie hier, Infomationen zu YouTube finden Sie auch im Elternratgeber.

Unterschiede je nach Altersgruppe

Bei YouTube verlieren Let’s Play-Videos, Comedy und Lustiges mit zunehmenden Alter an Bedeutung, dafür werden Musikvideos wichtiger. YouTube verliert jedoch mit zunehmendem Alter insgesamt an Wichtigkeit, dafür steigt die Relevanz des Streamingdienstes Netflix. Snapchat interessiert die mittlere Altersgruppe von 14- bis 19-Jährigen am meisten, Facebook interessiert nur noch die älteren Jugendlichen. Bei den jüngeren Jugendlichen hat Facebook gänzlich an Bedeutung verloren, hier spielen inzwischen andere Netzwerke (wie z.B. Instagram, Snapchat) eine größere Rolle.

 

Interessant ist, dass in der Musiknutzung Streaming-Dienste (z.B. Spotify) und YouTube zwar leicht zulegen und mit über 50 Prozent Nutzung auch durchaus relevant sind, das traditionelle Radio jedoch ungeschlagen an erster Stelle bleibt.

Früher versus Heute

Über die Hälfte der Haushalte sind inzwischen mit einem Konto bei einem Streaming-Dienst, wie Netflix oder Amazon prime ausgestattet. Auch das Abo-Fernsehen hat im Vergleich zum letzten Jahr leicht zugenommen. Dagegen nehmen Tageszeitungs- und Zeitschriften-Abos ab.

 

Die JIM-Studie erhebt im Vergleich zur Mediennutzung immer auch non-mediale Freizeitaktivitäten. Interessant hierbei vor allem ein Fakt, der ohne Erklärung bleibt: Die Bedeutung von Familienunternehmungen hat innerhalb der letzten zehn Jahre deutlich zugenommen.

 

Visuell auffällig auch folgender Fakt: Um die Jahrtausendwende gab es einen rasanten Anstieg beim Besitz von Handys unter Jugendlichen, dasselbe wiederholt sich zehn Jahre später mit Smartphones.

 

 

Bild: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest

Informationen nur aus Facebook?

In der Debatte um Fake News sorgten sich im letzten Jahr viele Pädagoginnen und Pädagogen, Jugendliche informierten sich nur noch aus Sozialen Netzwerken und seien deshalb gefährdet, stark von Fake News beeinflusst zu werden. Die JIM-Studie zeigt jedoch, dass über die Hälfte der Jugendlichen sich über das aktuelle Weltgeschehen im Fernsehen informieren, fast ebenso viele beziehen ihre Informationen häufig aus dem Radio, 41 Prozent nutzen das Internet (ohne Facebook), 19 Prozent gedruckte Tageszeitungen und erst an letzter Stelle mit 18 Prozent kommt Facebook.

 

Informationen allgemeiner Art beziehen Jugendliche mindestens mehrmals in der Woche zuerst von Suchmaschinen wie Google, zwei Drittel tun dies über YouTube-Videos. Es folgen Wikipedia, Facebook und Twitter, Online-Zeitungen sowie Nachrichtenportale von Zeitschriften (diese haben im Vergleich zum letzten Jahr leichten Zuwachs) sowie noch mit zehn Prozent Online-Provider (GMX, Web.de, T-Online) und zuletzt die Nachrichtenportale der TV-Sender.

 

Zu bedenken ist in beiden Bereichen jedoch unbedingt, dass Facebook, wie erläutert, nur bei den älteren Jugendlichen überhaupt relevant ist. Google und Wikipedia nutzen vorwiegend jüngere Jugendliche, die Nutzung aller anderen allgemeinen Online-Informationskanäle nimmt mit dem Alter der Jugendlichen ebenfalls zu. Lediglich YouTube hat in der Informationsrecherche für jedes Alter die gleiche Bedeutung.

 

Hier finden Sie Informationen zu Sozialen Netzwerken.

Digitale Medien in der Schule und daheim

Jugendliche sitzen nach eigenen Angaben täglich ungefähr 45 Minuten für die Schule am Computer oder arbeiten im Internet. Jedoch nutzen nur 13 Prozent täglich (dafür 63 Prozent mindestens einmal pro Woche) das Internet für ihre Schulaufgaben. In der Schule arbeiten nur sieben Prozent täglich (42 Prozent wöchentlich) im Internet. 12 Prozent kommen in der Schule nie aktiv mit dem Internet in Berührung.

 

Hauptwerkzeuge zur Internetnutzung sind in der Schule der Computer und das Interaktive Whiteboard, zumindest selten auch das Smartphone. Laptops oder Tablets haben hier keine Relevanz. Smartphones werden bundesweit gesehen mit zunehmenden Alter vermehrt genutzt.

Cybermobbing

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Die Zahlen zu Mobbingfällen im Internet sollten von Lehrkräften, als Bezugspersonen, nicht unbeachtet bleiben: 20 Prozent der Jugendlichen geben an, dass über sie schon einmal falsche oder beleidigende Inhalte im Internet verbreitet wurden. Am stärksten sind die 16 bis 17-Jährigen betroffen. Beleidigende oder peinliche Fotos oder Videos wurden bereits über jeden zehnten Jugendlichen verbreitet.

 

Weitere Informationen und Hilfestellungen zum Thema Cybermobbing finden Sie hier.

Die JIM-Studie

Weitere Interessante Ergebnisse zeigen sich in der unterschiedlichen Nutzung je nach Schulform und Geschlecht. Auch ist die Studie auf das Telefonieren sowie die beliebtesten digitalen Spiele eingegangen. Die JIM-Studie 2017 ist inzwischen als PDF online verfügbar. Dort können Sie alle Ergebnisse im Einzelnen nachlesen.

 

Die JIM-Studie wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (MPFS) jährlich – in diesem Jahr zum 20. Mal – in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk durchgeführt. Die repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der Jugendlichen in Deutschland ab. Für die Befragung wurden 1.200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren im Sommer 2017 in ganz Deutschland telefonisch befragt.

Außerschulische Pädagogik, Eltern, Internet / Web 2.0, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, Medienbildung, Smartphone / Tablet, Soziale Netzwerke

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