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22.02.2017 | Sascha Schmidt

Hatespeech, Shitstorm, Cyber-Hetze

Sina Laubenstein von No Hate Speech Berlin und die LMZ-Referenten Asiye Sari-Turan sowie Aytekin Celik befassten sich im Forum „Hatespeech, Shitstorm, Cyber-Hetze“ mit Erscheinungsformen von Hass im Netz. Sie gingen dabei auch auf mögliche Gegenmaßnahmen ein.

Soziale Netzwerke spielen eine zentrale Rolle

Sina Laubenstein; Bild: Christian Reinhold/LMZ

Sina Laubenstein definiert Hate Speech in Anlehnung an eine Begriffsabgrenzung des Europarats als bewusste Herabsetzung und Bedrohung bestimmter Menschen oder Menschengruppen. Soziale Netzwerke werden dabei in besonderem Maße genutzt, um Hass- und Hetzkommentare zu verbreiten. Hiervon betroffen sind in Deutschland derzeit vor allem geflüchtete Menschen und Menschen aus Einwandererfamilien. Aber auch Politiker, selbstbewusste Frauen, Homosexuelle etc. geraten immer wieder ins Visier von Hassrednern. Problematisch sind in Sozialen Netzwerken allerdings nicht nur die Hasskommentare selbst, sondern auch der Umstand, dass die große Mehrheit schweigt, so Sina Laubenstein. Umso wichtiger ist es, Gegenrede als Ausgleich für die schweigende Mehrheit einzusetzen, denn eine fehlende Gegenrede kann das öffentliche Meinungsbild für den neutralen Betrachter durchaus verzerren. Die No Hate Speech Initiative bietet auf ihrer Webseite eine Vielzahl an Methoden und Möglichkeiten, Gegenrede einzusetzen und Stellung zu beziehen. Auch das LMZ stellt vielfältige Informationen zum Thema Hass im Netz sowie Möglichkeiten der Gegenrede bereit. Zudem finden Sie auf unserem Portal eine Sammlung an Materialien für die Umsetzung des Themas im Unterricht.

So gehen radikale Gruppierungen vor

Aytekin Celik; Bild: Christian Reinhold/LMZ

Auch LMZ-Referent Aytekin Celik betonte die Bedeutung von Sozialen Netzwerken im Kontext der Verbreitung von Hass im Netz. Hierzu werden nicht nur Netzwerke in der Größenordnung von Facebook und Co. genutzt. Vielfach erfolgt Hatespeech auch auf Angeboten mit vergleichsweise geringeren Nutzerzahlen wie z.B. VKontakte, einer russischen Social Media Plattform. Auslöser für Hetzkampagnen sind oftmals Falschmeldungen, die teils zwar nur von Einzelpersonen ausgehen, jedoch bei entsprechender Verbreitung weitreichende Auswirkungen haben können. Radikale Gruppierungen machen sich den Einfluss eben jener Falschmeldungen zu Nutze, um so neue Mitglieder zu rekrutieren. Diese Gruppierungen bauen dabei häufig auf eine Ideologie der Ungleichwertigkeit und teilen die Menschen in eine Wir- und in eine Sie-Gruppe ein.

 

Die zur Rekrutierung neuer Anhänger/-innen angewandten Strategien sollen vor allem ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln und bieten so vermeintliche Hilfe auf der Suche nach der eigenen Identität. Kampagnen extremistischer Gruppierungen weisen auch häufig popkulturelle Bezüge auf, um so die Lebenswelt der potentiellen Hörerschaft zu integrieren. Dies geschieht z.B. über das Aufgreifen bekannter Brandings (Marken, Memes, aber auch Computerspiele und Filme) und über das Entwickeln einer eigenen Sprache mit eigens geschaffenen Wörtern, die nur Insider kennen können. Das Gefühl, „eingeweiht“ zu sein, verleiht diesen Gruppierungen so zusätzliche Attraktivität, schildert Aytekin Celik. Ein weiteres Phänomen, welches dabei oft auftaucht, ist der sogenannte Whataboutism. Der Begriff bezieht sich auf Social-Media-Kommentare, die häufig mit den Worten „Aber was ist denn mit …“ beginnen. Das lenkt vom eigentlichen Thema ab und in den Kommentaren wird oft auf (nicht immer belegte) historische Ereignisse und die dortige Rolle bestimmter Gruppen Bezug genommen. Diese Ereignisse werden schließlich für die eigene lückenhafte Argumentation gegen bestimmte Menschengruppen missbraucht. Bei Diskussionen in Sozialen Netzwerken führt dies immer wieder dazu, dass das eigentliche Thema verlassen wird und der Inhalt in eine ganz andere Richtung abdriftet („Derailing“). Eine wirkungsvolle Maßnahme gegen Hass im Netz stellt für Aytekin Celik zweifellos Humor dar, weil die Täter häufig nicht damit umgehen könnten. Zudem sei es äußerst wichtig, bei all den negativen Inhalten seine gute Laune und den Optimismus im Kampf gegen Hass im Netz nicht zu verlieren, denn nur so können Einzelne Gegenmaßnahmen dauerhaft aufrechterhalten.

Schweigen ist nicht immer Gold

Asiye Sari-Turan; Bild: Christian Reinhold/LMZ

LMZ-Referentin Asiye Sari-Turan bezog sich in ihrem Vortrag vor allem auf den antimuslimischen Rassismus, der in der jüngeren Vergangenheit vermehrt aufkochte. Hierbei findet häufig eine gruppenbezogene Zuschreibung negativer Eigenschaften statt, die teilweise aus Einzelvorkommnissen gezogen werden. Studienergebnisse werden in diesem Kontext ebenfalls oft missbraucht, um die Wir-gegen-sie-Taktik mit vermeintlichen Fakten zu untermauern. Auch für Asiye Sari-Turan steht fest, dass Wegschauen definitiv der falsche Weg ist. Deshalb sei es wichtig, Kinder und Jugendlichen im Kampf gegen Hass im Netz nicht zu einer Risikovermeidung zu erziehen, sondern ihnen Risikokompetenz im Umgang mit Hatespeech und Cyber-Hetze zu vermitteln.

 

Im Netz findet sich eine Vielzahl an Unterstützungsangeboten für Maßnahmen gegen rassistische Hasskampagnen:

Hatespeech – Hass im Netz – Hintergrundinfos, Möglichkeiten der Gegenrede und Unterrichtsmaterial auf den Seiten des LMZ

Demokratiezentrum Baden-Württemberg – Bündelung von Angeboten für die Handlungsfelder Extremismus, präventive Bildungsarbeit und Menschenrechtsbildung

UFUQ – Portal für Pädagogik zwischen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus

Amadeu Antonio Stiftung – Initiativen für Zivilgesellschaft und demokratische Kultur

Rebell Comedy – Comedy-Programm zu Vorurteilen gegenüber dem Islam

Netz gegen Nazis – Internetportal zum Kampf gegen Rechtsextremismus

Datteltäter – YouTube-Kanal mit satirischen Videos zu Vorurteilen gegenüber dem Islam

Handouts

Außerschulische Pädagogik, Cybermobbing, Extremismus, Internet / Web 2.0, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, Medienbildung, Soziale Netzwerke

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