MediaCulture-Online Blog

28.04.2016 | Jiří Hönes

Ideen zur Medienbildung in der Grundschule

Anke Leucht und Alexandra Riehl; Bild: Manuel Seeger/LMZ

Beim Medienkompetenztag zum Thema „Digitale Schule“ am 20. April am Stadtmedienzentrum Stuttgart (SMZ) stellten Anke Leucht und Alexandra Riehl Ideen zur Medienbildung in der Grundschule vor. Die beiden Referentinnen des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ) sind selbst aktive Grundschullehrerinnen. Anke Leucht unterrichtet eine erste Klasse an einer Grundschule in Walldorf und versucht dort die Medienbildung von Beginn an umzusetzen. Alexandra Riehl arbeitet an einer Grund- und Werkrealschule in Karlsruhe und unterrichtet in Internationalen Vorbereitungsklassen.

 

Die beiden stellten zunächst den neuen Bildungsplan und die Leitperspektive Medienbildung vor. Dabei zeigten sie sich erfreut, dass nun auch an Grundschulen die Arbeit mit digitalen Medien verbindlich sei. Der häufig im Bildungsplan zu findende Hinweis „sobald vorhanden“ in Bezug auf die technische Infrastruktur sei ein deutliches Signal an die Schulträger, hier entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Alexandra Riehl betonte, in Bezug auf neue Medien seien ganz besonders die Prävention und die Elternarbeit wichtig. „Wir müssen Eltern und Kinder für die Gefahren der Medien sensibilisieren“, so die Pädagogin.

Computerarbeit von Anfang an

Medienbildung lasse sich in jedes Fach integrieren, so Alexandra Riehl. Sie erstellt mit ihrer Klasse beispielsweise Schülerzeitungen mit dem Computer. Dabei komme auch immer der mediengesellschaftliche Aspekt zum Tragen: „Kinder machen gerne Schabernack mit den Bildern ihrer Mitschüler. Da wird von Anfang an darauf geachtet, dass man zuerst fragen muss, was man mit den Bildern machen darf.“ Anke Leucht setzt die Computer bereits im Anfangsunterricht ein: „Kinder schreiben am Anfang Sätze oft ohne Abstand zwischen den Wörtern. Da bietet es sich an, mit der Tastatur zu üben, denn da können sie das Wort mit der Leertaste abschließen“, hebt sie hervor. Sie hat an ihrer Schule vier Laptops für zwei Klassen zur Verfügung. Die Integration der Geräte in den Schulalltag gehe am ehesten, wenn man zwei bis vier Laptops im Zimmer habe. So könne man die Geräte in Stationenarbeiten integrieren. Die Arbeitssequenzen am PC in der ersten Klasse dauern bei ihr etwa fünf Minuten, dann sind wieder andere Aufgaben dran.

 

Alexandra Riehl betonte, am Anfang gebe es in der Organisation der Computerarbeit immer etwas Chaos. „Aber wenn die Schüler das erstmal regelmäßig machen, dann kommt da Routine ’rein. Man muss sich das mal trauen, dann spielt sich das ein.“ Sie zieht bei ihrer Arbeit an den Schülerzeitungen den „richtigen“ PC gegenüber dem Tablet vor, da man einen größeren Bildschirm und eine größere Tastatur hat. Letztlich gebe es jedoch bei der Ausstattung nicht das Patentrezept: „Man muss sich an die Gegebenheiten und die Schülergruppe anpassen, auch in der Frage, ob man in den PC-Raum geht oder lieber die Geräte ins Klassenzimmer holt.“

Ideen für Whiteboard und Dokumentenkamera

Einfache Rechenaufgaben am Whiteboard visualisiert: blau die Zehner, rot die Einer.

Immer mehr Klassenräume sind mittlerweile mit Interaktiven Whiteboards ausgestattet. Anke Leucht stellte einige didaktische Ideen für die elektronischen Tafeln vor. So hat sie mit dem Farbeimer-Werkzeug eine Rechenaufgabe erstellt, die die Schülerinnen und Schüler am Board lösen können. Im Sachunterricht der ersten Klasse hat sie zum Thema Frühblüher eine Tulpe gezeichnet, bei der die Kinder die Beschriftungen den einzelnen Teilen der Tulpe am Board zuordnen können. Im Kunstunterricht greift sie bei Bildbetrachtungen gerne auf das „Spotlight“-Werkzeug zurück, mit dem man das Bild schwarz schaltet und nur einzelne Objekte in den Fokus stellt.

Im Handumdrehen erstellt: Die Beschriftungen lassen sich per Hand am Whiteboard den entsprechenden Teilen der Tulpe zuordnen.

Auf den Tablets hat die passionierte Kunstlehrerin die kostenlose App Fresh Paint (Windows 8) genutzt, mit der man eine große Anzahl an Werkzeugen zum Malen zur Auswahl hat wie verschiedene Pinsel und Farben. Dabei muss man beispielsweise Ölfarben erst per Klick trocknen lassen, da sie sonst beim Weitermalen verschmieren. In einer Unterrichtseinheit ließ sie die Kinder dann die mit der App erstellten mit den „analog“ gemalten Bildern vergleichen. Sie hob hervor, dass die meisten Kinder das Malen mit Pinsel und Farbe der App eindeutig vorziehen. „Die wenigen Kinder, denen die App lieber ist, sind in der Regel die, die ohnehin nicht gerne malen.“

 

Auch für das „analoge“ Malen kann ein Whiteboard oder Beamer von Interesse sein, wenn man dazu eine Dokumentenkamera zur Verfügung hat. Anke Leucht zeigte, wie sie ihrer Klasse das Malen mit Wasserfarben erklärt. Dazu stellte sie den Wasserfarbenkasten unter die Kamera und führte die Arbeitsschritte vor: „Schülerinnen und Schüler stellen den Becher ja immer irgendwo hin. An der Kamera kann man vorführen, wo der Becher am sichersten steht, wie man die Farbe vorbereitet, ohne alles zu überfluten und so weiter. Auch die Kinder können auf diese Weise den anderen etwas präsentieren, etwa wie sie bestimmte Farben mischen.“ Die Kamera lasse sich ebenso für Falttechniken und vieles mehr einsetzen. So vermeide man das Gedränge, das normalerweise bei solchen Unterrichtssituationen entstehe, bei dem am Ende oft niemand etwas sehe.

 

Die beiden Lehrerinnen stellten zudem einige konkret ausgearbeiteten Unterrichtsvorschläge vor, die bei SESAM heruntergeladen werden können: In der Einheit Wie schlau ist der Computer? lernen die Kinder die Unfehlbarkeit der Rechtschreibprüfung des PCs zu hinterfragen. In Wir bauen ein Mini-Floß erstellen die Kinder eine Bastelanleitung mit Digitalfotos.

 

Eine kleine praktische Übung durfte beim Vortrag auch nicht fehlen: Mit dem Online-Tool Padlet konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die zur Verfügung gestellten Tablets an einem interaktiven Brainstorming teilnehmen. So sammelten die Referentinnen alle Situationen, in denen die Anwesenden in ihrem Unterricht digitale Medien einsetzen, an der virtuellen Tafel. Ein Einsatzszenario, das selbstverständlich auch mit Grundschulkindern umsetzbar ist.

 

Hier finden Sie den gesamten Bericht zum Medienkompetenztag. Viele weitere Ideen für den Alltag finden Sie in der Rubrik Unterrichtsideen von Grundschulen für Grundschulen. Zu den Leitperspektiven im neuen Bildungsplan für die Grundschule hat die SESAM-Redaktion Medienlisten erstellt, die Sie sich herunterladen können.

Grundschule, Lehrkräfte, Medienbildung

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* = Pflichtfeld

*
*
*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*