Media Spots 3: Digitales Lernen an der Heinrich-Schickhardt-Schule Freudenstadt

Katharina Müller von der Heinrich-Schickhardt-Schule in Freudenstadt; Bild: Martin Storz

An der Heinrich-Schickhardt-Schule (HSS) in Freudenstadt wird derzeit der durchgehende Einsatz von Tablets im Unterricht in mittlerweile vier Klassen erprobt. Geschätzt werden hier vor allem die neuen Möglichkeiten zur Förderung von Lernmotivation, Kooperation, Interaktivität und zur individuellen Förderung. Die Schule nimmt Teil an den vom Kultusministerium Baden-Württemberg unterstützten Schulversuchen „Einsatz von Tablets im Unterricht an Beruflichen Schulen“ (tabletBS) und „Tablet-Einsatz in anerkannten Ausbildungsberufen nach Berufsbildungsgesetz bzw. Handwerksordnung“ (tablet.BS dual).

Studienrätin Katharina Müller und Studienrat Robert Reinhardt stellten beim Bildungskongress 2017 die Unterrichtskonzepte der Schule, an der vor allem technische Fächer wie Elektrotechnik, Metalltechnik oder Fahrzeugtechnik unterrichtet werden, vor. Da man eher ältere Schülerinnen und Schüler unterrichte, sei es besonders wichtig, sie auf die Bedingungen in ihrer zukünftigen Arbeitswelt vorzubereiten. Diese sei gerade in den technischen Berufen sehr stark von der Digitalisierung erfasst, weshalb ein Umgang mit der digitalen Technik unbedingt Teil der Ausbildung sein müsse.

Tablets werden auch im Ausbildungsbetrieb verwendet

An der Schule gibt es in den einzelnen Fachbereichen motivierte Lehrerteams, die versuchen, sich gegenseitig zu helfen. Beim Einsatz von Tablets sind die Vertreter der Heinrich-Schickhardt-Schule richtige „Hardliner“, wie sie sich selbst bezeichneten. Man arbeite in vielen Bereichen komplett papierlos. Bücher gebe es nur da, wo digitale Materialien keinerlei Mehrwert böten.

 

Die Tablets, die an der Schule verwendet werden, sind im Eigentum der Schülerinnen und Schüler, oft wird die Finanzierung von den Ausbildungsbetrieben übernommen. Das hat den Vorteil, dass sie die Geräte so konfigurieren können, wie es für sie individuell am praktikabelsten scheint. Sie nehmen die Geräte mit nach Hause und können an Materialien offline weiterarbeiten. Dies ist besonders wichtig, weil in vielen Dörfern im Landkreis Freudenstadt die Internetanbindung als sehr dürftig bezeichnet werden kann.

 

Auch Organisatorisches wird an der Heinrich-Schickhardt-Schule komplett digital erledigt. Es gibt ein Digitales Klassenbuch, den Stundenplan als App und auch Nachrichten zwischen Lehrkraft und Schülerinnen und Schülern werden über die Lernplattform abgewickelt.

Die Daten liegen in der Cloud

Robert Reinhardt von der Heinrich-Schickhardt-Schule in Freudenstadt; Bild: Martin Storz

Wichtig war von Anfang an, dass das Kollegium vor dem Einsatz der Technik geschult und motiviert wurde. Anfangs wurden drei komplette Unterrichtstage geopfert, um sich mit der Technik auseinanderzusetzen. Ein Team wählt aus, welche Apps eingesetzt werden. Katharina Müller betonte, dass es sehr wichtig sei, sowohl die Lehrkräfte als auch die Schülerinnen und Schüler nicht mit zu vielen verschiedenen Apps aus dem riesigen Angebot zu überfrachten und zu überfordern.

 

Die Schule hat eine cloudbasierte Lehrbibliothek eingerichtet und man kann über eine Tauschplattform zeitgleich von verschiedenen Orten aus an einem Dokument arbeiten. Sehr wichtig sei dabei die „digitale Ordnung“. Man legt großen Wert darauf, dass die Materialien strukturiert auf dem Server abgelegt werden, dass die Schülerinnen und Schüler nicht den Überblick verlieren.

 

Da die Schülerinnen und Schüler die Tablets auch in ihren Ausbildungsbetrieben verwenden, sei es sehr wichtig, dass dadurch die IT-Sicherheit der Betriebe nicht gefährdet wird. Die Schule kooperiert daher eng mit den Betrieben. Der Vorteil der Tablets liegt laut Reinhardt darin, dass man sich im Gegensatz zum Desktop-PC mit ihnen frei im Raum bewegen könne, was näher an der Arbeitswelt in technischen Berufen läge.

Viele Open-Source-Lösungen aus den USA im Einsatz

Softwareseitig setzt man wo möglich auf Open-Source-Lösungen. Gerade US-Universitäten böten diesbezüglich viele browserbasierte Programme an, für die keine Anmeldung nötig sind, etwa Simulationen für die Verfahrenstechnik. Die Schülerinnen und Schüler simulieren Vorgänge zuhause am Tablet und arbeiten sie dann anhand von realen Modellen im Labor der Schule aus.

 

In puncto Hardware setzt die Schule auf unterschiedliche Modelle. Wichtig ist vor allem, dass es Geräte sind, die sich einem mit dem Stift bedienen lassen. Da Abschlussprüfungen in der Regel von Hand geschrieben werden müssen, will man verhindern, dass die Schreibfertigkeit unter dem Tableteinsatz leidet. Meist kommen Windows-Geräte zum Einsatz, weil die in der Industrie verwendete Software in der Regel auf diesem Betriebssystem läuft.

 

Dieses Beispiel zeigte, dass berufliche Schulen teils vor ganz anderen Herausforderungen und Fragestellungen bei der Digitalisierung stehen als allgemeinbildende Schulen. Andererseits wurde aber auch hier deutlich, dass die Grundvoraussetzung ein motiviertes Kollegium ist, das sich den technologischen Herausforderungen stellen möchte.