Mathematik – Grundschule – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Mathematik in der Grundschule vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf den Bildungsplan 2004 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Im Bildungsplan 2004 sind für den Mathematikunterricht der Grundschule keine Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. Auch in den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ und unter „Kompetenzen und Inhalte“ wird die Medienkompetenz nicht aufgegriffen.


Die Bereiche der Medienbildung, die im Bildungsplan 2016 mit „Information und Wissen“, „Produktion und Präsentation“, „Kommunikation und Kooperation“, „Mediengesellschaft und -analyse“ und „Informationstechnische Grundlagen“ benannt sind, müssen neu in den Mathematikunterricht der Grundschule integriert werden: Digitale Medien, die heutzutage immer mehr unser gesellschaftliches Leben bestimmen, sollten bereits in der Grundschule stärker Beachtung finden, damit eine spiralcurriculare Verankerung der Medienbildung bereits in der Grundschule beginnen kann.


Im Sinne des aktiv-entdeckenden Lernens und der Frage nach geeigneten Hilfsmitteln ist der Einsatz von Medien bereits im Mathematikunterricht der Grundschule sinnvoll und wünschenswert. Auch zur Niveaudifferenzierung können digitale Medien in der Grundschule beitragen und auf die Kinder motivierend wirken. Im Bildungsplan 2016 sind diese Ansätze verankert.

Medienkompetenz und Medienbildung im Mathematikunterricht ab 2016

In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird im Bildungsplan 2016 die Medienbildung folgendermaßen thematisiert: Bereits im Mathematikunterricht der Grundschule soll der angemessene Einsatz von Medien geübt werden, damit Kinder frühzeitig die Vorzüge und den Umgang mit Medien kennenlernen und erkennen, wo Grenzen sind. Für das Fach Mathematik wird das mit drei genannten Fähigkeiten konkretisiert:

 

  • die „Beschaffung von Informationen“,
  • der Einsatz von „Hilfsmittel[n] beim Problemlösen“,
  • das Präsentieren von „Arbeitsprozessen und -ergebnissen“ (BP 2016, GS, Mathematik, S. 4).


Beispielhaft wird erläutert, dass digitale Hilfsmittel „bei der Visualisierung von mathematischen Inhalten wie Diagrammen“ eingesetzt werden sollen.

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Die Medienbildung ist in den prozessbezogenen Kompetenzen für den Mathematikunterricht der Grundschule nicht explizit aufgeführt. Dennoch kann der Einsatz von geeigneten Medien wie Tabellenkalkulationssoftware  beim „Problemlösen“, „Modellieren“ und „Darstellen“ schon in der Grundschule sinnvoll sein.

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

In allen vier Bereichen der inhaltsbezogenen mathematischen Kompetenzen ist die Medienbildung vertreten. Diese lauten:  


(1)    Zahlen und Operationen,
(2)    Raum und Form,
(3)    Größen und Messen,
(4)    Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit.


Im Folgenden wird dargestellt, wo sich die Anknüpfungspunkte der Medienbildung zu diesen Kompetenzen des Mathematikunterrichts befinden.

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(1) Zahlen und Operationen

Im Themenbereich „Zahldarstellungen und Zahlbeziehungen verstehen“ werden in den Klassen 1/2 bzw. 3/4 Zahleigenschaften und -beziehungen, die Zahlen bis 100 bzw. 1.000.000 und das dezimale Stellenwertsystem gelernt. Die dazugehörige Leitfrage zur Medienbildung ist, „welche Medien [..] den Aufbau einer gesicherten Orientierung im (erweiterten) Zahlenraum [unterstützen]“ (S. 13 und S. 24). Auch die Bedeutung von Zahlen in unterschiedlichen Kontexten soll mithilfe geeigneter Medien erkannt, dokumentiert und in unterschiedlichen Kontexten angewandt werden. Zur Umsetzung dieser Kompetenzen eignen sich Online-Übungen oder Lernprogramme.


Beim Thema „Rechenoperationen verstehen und beherrschen“ steht das produktive Üben in Zusammenhang mit der Medienbildung. Das Rechnen mit den vier Grundrechenarten, das Erlernen vorteilhafter Strategien und das Erkennen arithmetischer Muster werden auch mit Hilfe geeigneter Medien erlernt. Diese tragen damit auch zur Sicherheit im Umgang mit den Rechenoperationen bei (Klassen 3/4).


Inhaltlich darauf aufbauend sind dann die Medienbildungsbereiche „Produktion und Präsentation“ und „Information und Wissen“ beim Thema „In Kontexten rechnen“ von Bedeutung. Die Denkanstöße dazu im Bildungsplan werfen die Frage auf, „welche Medien [sich] [an]bieten, damit die Kinder mathematische Sachverhalte erfassen und darstellen können“ (S. 16). Insbesondere in den Klassen 3/4 sollen beispielsweise Säulen- und Balkendiagramme oder Tabellen auch mithilfe des Computers dargestellt werden.

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(2) Raum und Form

Im Kompetenzbereich „Raum und Form“ tragen passende Medien zum Aufbau der räumlichen Vorstellung der Kinder bei. Sie lernen räumliche Beziehungen kennen, einfache Lagebeziehungen auszudrücken (Klassen 1/2) und dazugehörige geometrische Probleme zu lösen (Klassen 3/4). Dabei werden in den Klassen 1/2 „Würfel und Kugel als Vollmodell [...] hergestell[t]“ (S. 18) und in 3/4 beispielsweise "zwei- und dreidimensionale Darstellungen von Bauwerken in Beziehung" gesetzt, nach Vorlage gebaut und Baupläne erstellt (S. 29).


Mithilfe der von der Lehrkraft gewählten Medien soll außerdem „die Wahrnehmung der Kinder für geometrische Strukturen“ (S. 18) und zur „kreativen Eigenentwicklung geometrischer Muster“ (S. 19) angeregt werden. Ziel ist es, „einfache geometrische Figuren [bzw.] Abbildungen erkennen, benennen und darstellen“ zu können (S. 18 f. und S. 31). Dabei stehen in den Klassen 1/2 ebene Figuren und ihre Eigenschaften im Zentrum. In Klasse 3/4 kommen Körper und der sachgemäße Umgang mit Zeichengeräten, das Vergrößern und Verkleinern und die Achsenspiegelung dazu. Medien können im Kontext „Raum und Form“ also maßgeblich zur Veranschaulichung beitragen, geometrische Abbildungen verständlich machen und das kreative Erstellen von Mustern durch die Kinder fördern.

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(3) Größen und Messen

In diesem Kompetenzbereich gilt es, die Größenvorstellungen der Schülerinnen und Schüler zu Geldwerten, Längen und Zeit (Klassen 1/2) sowie Gewichten und Rauminhalten (Klasse 3/4) zu entwickeln, die auch „bei der Bewältigung und Strukturierung ihres Alltags“ helfen (S. 20). Die Kinder „erschließen […] sich zunehmend ihre Umwelt“ (S. 22) – unter Einbezug digitaler Medien. Im Kontext des Bereichs „Produktion und Präsentation“ werden in den Klassen 1/2 „mathematische Erfahrungen zu den Größen [dokumentiert]“ (S. 21). Auch beim Anwenden von Strategien fürs Schätzen und beim Erfinden eigener Aufgaben wird in den Klassen 3/4 der Umgang mit „Größen in Sachsituationen“  (S. 34) erlernt und gleichzeitig Medienkompetenz erworben, insbesondere in den Bereichen „Produktion und Präsentation“ sowie „Information und Wissen“.

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(4) Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit

Der vierte mathematische Kompetenzbereich „Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit“ knüpft ebenfalls an der Erfahrungswelt der Kinder an. Zur medialen Umsetzung im Unterricht sind die Bereiche „Information und Wissen“ sowie „Produktion und Präsentation“ wichtig. Beim „Sammeln, [Aufbereiten] und strukturierte[n] Darstellen von Daten“ (S. 23) stellen sich laut Bildungsplan der Lehrkraft gleich drei zentrale Fragen zur Medienauswahl und Unterrichtsgestaltung:


(1)    „Welche Medien liefern geeignete Datensammlungen oder Datendarstellungen?“ (Klassen 1/2, S. 23)
(2)    „Wie können die Kinder geeignete von weniger geeigneten Darstellungsformen unterscheiden?“ (Klassen 3/4, S. 35)
(3)    „Welche Medien (auch digitale) unterstützen die Kinder in der Darstellung von Datensammlungen?“ (Klassen 3/4, S. 35)


Im Kontext von Frage (1) gilt es, die Kinder „grafisch unterschiedliche Darstellungsformen in den Medien finden, präsentieren und vergleichen“ (S. 35) zu lassen. In diesem Zusammenhang heißt es auch, „Tabellen, Schaubildern und Diagrammen Informationen entnehmen und diese Informationen [richtig] deuten“ (S. 35). In den Klassen 3/4 werden Daten durch die Schülerinnen und Schüler selbst so dargestellt, dass die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen bei einfachen Zufallsexperimenten eingeschätzt werden kann.

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Unterrichtsidee: Logische Reihen

Mathematik, Klasse 1, GS: Die Kinder arbeiten mit Reihen von Zahlen und geometrischen Figuren und erkennen deren Eigenarten.weiterlesen

Unterrichtsidee: Wie viel Uhr ist es?

Mathematik, Klasse 2, GS: In einer Übungs- und einer Wiederholungsphase machen sich die Kinder mit der Uhr vertraut und trainieren am PC Zeitpunkte und Zeitintervalle.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis