Kunst/Werken – Grundschule – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Kunst/Werken in der Grundschule vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf den Bildungsplan 2004 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Im Bildungsplan 2004 ist Bildende Kunst Teil des Fächerverbundes „Mensch, Natur und Kultur“. Ansätze für eine Integration der Medienbildung sind bereits in diesem Bildungsplan zu finden. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird in diesem Fächerverbund die Medienkompetenz allerdings nicht explizit aufgegriffen. Unter „Kompetenzen und Inhalte“ werden für den Kunstunterricht medienbildnerische Aspekte nur im Hinblick auf die Themen Informationsbeschaffung (BP 2004, Mensch, Natur und Kultur, S. 101) und die kritische Auseinandersetzung mit der Darstellung anderer in den Medien erwähnt. Auch die Auseinandersetzung mit Werbung, Mode, Idolen und Musik als Vermittler von Trends, Wunschvorstellungen, Werten und Lebensstilen weist auf medienbildnerische Aspekte hin (S. 104) und tangiert den Kunstunterricht. Als zentrale Medienbildungskompetenz können die Informationsbeschaffung und die kritische Auseinandersetzung mit der Mediengesellschaft betrachtet werden, andere medienbildnerische Inhalte werden allenfalls nur gestreift.


Zusammenfassend spielt die Medienbildung im Kunstunterricht der Grundschule eine eher untergeordnete Rolle. Die Medienbildung muss also noch stärker als bisher in den Kunstunterricht der Grundschule integriert werden.

Medienkompetenz und Medienbildung im Fach Kunst/Werken ab 2016

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Insgesamt spielt die Medienbildung im Fach Kunst/Werken in den neuen Bildungsplänen 2016 eine wichtige Rolle. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird im Bildungsplan 2016 die Medienbildung für die Grundschule für das Fach „Kunst/Werken“ so folgendermaßen betont: „Die altersangemessene Auseinandersetzung mit Fragen der Medienbildung trägt zur Orientierung und Positionierung in einer digitalisierten und von Medienerzeugnissen geprägten Welt bei“ (BP 2016, Kunst/Werken, S. 4).

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

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Die Medienbildung in der Grundschule ist als Leitperspektive in einzelnen Bereichen des nun eigenständigen Faches Kunst/Werken integriert. Die prozessbezogenen Kompetenzen sind dabei eng mit den inhaltsbezogenen Kompetenzen verknüpft. Sie bilden gemeinsam die Basis des Faches Kunst/Werken.

Im Hinblick auf die Verankerung medienbildnerischer Inhalte wird im Bereich „Welt erkunden und verstehen“ die Nutzung unterschiedlicher Medien angedacht (S. 6). Dabei wird der Einsatz digitaler Medien, wie etwa der von Digitalkameras zur Dokumentation visueller, haptischer und akustischer Erfahrungen, genannt. Diese prozessbezogene Kompetenz kann folglich zur Medienbildung beitragen. (S. 10)


Im Bereich „Kommunizieren und sich verständigen“ wird der Einsatz altersgemäßer und zweckentsprechender digitaler Medien (wie z.B. Interaktive Whiteboards) zur Präsentation von Erkenntnissen und Ergebnissen als Möglichkeit genannt (S. 11).


Im Bereich „Reflektieren und sich positionieren“ wird aufgeführt, dass die Schülerinnen und Schüler Empathiefähigkeit entwickeln und Perspektivwechsel vornehmen. Dies kann z.B. geschehen, indem sie andere Lebenswelten mittels Kunst und medialen Produkten erforschen (S. 12).

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Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Klassen 1/2

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In den Standards für die Klassen 1 und 2 wird der medienbildnerische Bereich „Produktion und Präsentation“ im Kontext mit dem Themengebiet „Kinder malen“ gesehen, etwa wenn „Farben und Werkzeuge entsprechend der eigenen Vorstellung und Gestaltungsabsicht“ (S. 15) zum Einsatz kommen.

 

Im inhaltsbezogenen Kompetenzbereich „Kinder nutzen Medien“ findet in größerem Umfang Medienbildung statt: „Die Schülerinnen und Schüler verfügen über unterschiedliche Vorerfahrungen mit Medien. Sie lernen den Umgang mit ihnen, nutzen sie zur Präsentation und Dokumentation. Sie verwenden Medien zum kreativen Arbeiten, um sich darzustellen und um sich zu positionieren.“ (S. 20). Der Hinweis, dass digitale Medien auch über das Kreismedienzentrum des entsprechenden Landkreises ausgeliehen werden können, ermöglicht auch Schulen ohne eigene Medienausstattung ein umfassendes Arbeiten, wobei vor allem die medienbildnerischen Bereiche „Produktion und Präsentation“ und „Informationstechnische Grundlagen“ zum Zuge kommen. Viele Kreismedienzentren bieten hierzu den Verleih von Beamern oder auch Tablets an.


„Medienanalyse“ wird behandelt, wenn die Schülerinnen und Schüler im Bereich „Kinder nehmen ihre Umwelt wahr“ „Abbildungen aus ihrem Umfeld beschreiben (zum Beispiel Werbeplakate, Piktogramme, Illustrationen, Info-Grafiken in Büchern)“ und deren Wirkung auf sie erklären (S. 23).

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Klassen 3/4

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Die Standards für die Klassen 3 und 4 beinhalten in noch stärkerem Maß Aspekte der Medienbildung. Vor allem der Bereich „Produktion und Präsentation“ wird zunehmend im ganzheitlichen Kunstunterricht integriert, etwa im Themengebiet „Kinder drucken“ im Zusammenhang mit Text-Bild-Kombinationen vermittelt (S. 26) oder im Bereich „Kinder nutzen Medien“: „Die Schülerinnen und Schüler erfahren im produktiven Umgang die Vielfalt von Medien, erkunden diese und entdecken deren kreative Nutzungsmöglichkeiten. Sie werden befähigt, Medien zunehmend selbstständig und kritisch reflektiert für ihre Arbeit auszuwählen, einzusetzen und sich darüber auszutauschen.“ (S. 34) Als mögliche Teilkompetenzen werden hier bereits Foto- und Filmproduktionen und das Arbeiten mit Computer und Scanner angeregt (S. 34). Dem ganzheitlichen Ansatz des Kunstunterrichts entsprechend, ist bei einer Produktion stets auch ein Reflektieren und Rezipieren Teil des Schaffensprozesses, und so werden gleichzeitig auch Aspekte der „Medienanalyse“ behandelt.


Eine kritische Auseinandersetzung mit „Mediengesellschaft“ findet im Bereich „Kinder nehmen ihre Umwelt wahr“ statt, wenn es um eine differenzierte Betrachtung von Umwelt geht, die ja zunehmend von Medien geprägt und beeinflusst ist (S. 37).

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Unterrichtsidee: Digitale Porträts nach Arcimboldo

Kunst/Werken, Klasse 3–4, GS: Nach einer Bildbetrachtung von Arcimboldo-Werken erstellen die Kinder mit einem Präsentationsprogramm eigene Obst- und Gemüsegesichter.weiterlesen

Unterrichtsidee: Bildausschnitt weitermalen – Chagall

Kunst/Werken, Klasse 3–4, GS: Mit einem Malprogramm wird der Ausschnitt eines den Kindern unbekannten Gemäldes kreativ ergänzt. Der nächste Schritt ist die Begegnung mit dem Original.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis