Katholische Religionslehre – Grundschule – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Katholische Religionslehre in der Grundschule vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf den Bildungsplan 2004 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Im Bildungsplan 2004 sind für den katholischen Religionsunterricht der Grundschule keinerlei Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird die Medienkompetenz als eigene Kompetenz nicht aufgegriffen. Auch unter „Kompetenzen und Inhalte“ werden für den katholischen Religionsunterricht medienbildnerische Aspekte nicht thematisiert. Dies ist auch nicht besonders verwunderlich, denn im Jahr 2004 haben digitale Medien den Alltag der Kinder im Grundschulalter bei weitem noch nicht so bestimmt, wie sie es heute tun. Computer oder gar Handys und Tablets spielten somit im Unterricht der Grundschule so gut wie keine Rolle. Dies hat sich inzwischen völlig verändert. Laut der KIM-Studie 2014 nutzen weit mehr als die Hälfte aller Kinder im Grundschulalter Computer und Internet zumindest gelegentlich, Tendenz steigend.

Medienkompetenz und Medienbildung im katholischen Religionsunterricht ab 2016

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Der Bildungsplan 2016 zieht aus dieser veränderten Lebenswelt der Kinder seine Konsequenzen und weist insbesondere dem Fach Religion einen ganz besonderen Stellenwert in der Vermittlung einer behutsamen und immer altersgerechten Medienbildung zu.


In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird daher im Bildungsplan 2016 konsequenterweise für Medienbildung in der Grundschule sensibilisiert. So wird ausdrücklich festgestellt, dass die Schülerinnen und Schüler „mit den Möglichkeiten und Gefahren einer globalisierten und digitalisierten Welt“ konfrontiert werden, in der sie Orientierung und Stärkung ihrer Individualität brauchen, um in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen zu können (BP 2016, GS, Kath. Religionslehre, Endfassung, S. 3).


Einen besonderen Schwerpunkt legt der Bildungsplan des Faches Katholische Religionslehre auf die „Medienanalyse“, wenn es heißt: „Im katholischen Religionsunterricht erwerben Schülerinnen und Schüler Orientierungswissen, das sie befähigt, Auswirkungen der Medien auf das eigene Leben zu erkennen und einen verantwortungsvollen Umgang mit ihnen zu entwickeln.“ (S. 5) 

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Aus Sicht der Medienbildung wäre es sicherlich wünschenswert, wenn Medienbildung als Leitperspektive im katholischen Religionsunterricht der Grundschule noch deutlich häufiger explizit aufgeführt wäre, so bieten sich doch vielfältige Anknüpfungspunkte. Es wird daher erforderlich sein, dass die Lehrkräfte diese Chancen erkennen und wahrnehmen um Medienbildung so zu verankern, wie dies für die Zusammensetzung der jeweiligen Klasse erforderlich ist.


In den Bereichen „Wahrnehmen und Darstellen“, „Deuten“, „Kommunizieren“ und „Gestalten“ stecken verschiedene Aspekte der Medienbildung, auch wenn sie nicht explizit genannt werden. Ausdrücklich genannt werden Medieneinsatz und Mediendidaktik im Bereich „Präsentation“ unter „Gestalten und Handeln“: „Die Schülerinnen und Schüler können fachliche Kenntnisse medial und adressatenbezogen aufbereitet präsentieren“ (S. 12).

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Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Klassen 1/2

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Explizit ausgewiesen sind die Medienbildungskompetenzen „Produktion und Präsentation“ im Bereich „Bibel“ im Zusammenhang mit der Veranschaulichung von Erzählungen mit Hilfe von Medien und „Kommunikation und Kooperation“ in Bezug auf ausgewählte Geschichten, die zeigen, dass „in der Bibel Erfahrungen mit Gott gesammelt sind.“ (S. 16 ff.). Aber auch in allen anderen Bereichen der inhaltlichen Kompetenzen wie „Mensch“, „Welt und Verantwortung“, „Gott“, „Jesus Christus“, „Kirche“ und „Religionen“ verbergen sich viele Möglichkeiten, Medienbildung aus allen Kompetenzbereichen abzubilden.


Folgt man den Denkanstößen, dann fällt auf, dass Medien im Bereich „Produktion und Präsentation“ Schülerinnen und Schülern dabei helfen können, eigene Grunderfahrungen kreativ auszudrücken. Im Bereich „Welt und Verantwortung“ finden sich die Medienbildungskompetenzen „Information und Wissen“ und „Produktion und Präsentation“ in besonderem Maße: „Welche Medien und Lernarrangements sind geeignet, damit die Kinder die Komplexität der Welt mit allen Sinnen wahrnehmen und beobachten können (zum Beispiel […] Medien)?“ (S. 15).


Im Teilbereich „Gott“ wird die Anregung gegeben, nach geeigneten Medien für die unterschiedlichen Vorstellungen von Gott zu suchen (S. 18). Auch in diesem Bereich können Medienbildungsaspekte wie „Produktion und Präsentation“ genauso wie „Information und Wissen“ gut verortet werden.


Im Bereich „Jesus Christus“ werden Kompetenzen wie „die Lebenswelt der Menschen in der Zeit Jesu“ und „sich mit dem Leben von Heiligen auseinandersetzen, die sich an Jesus Christus orientieren“ genannt (S. 20). Auch in diesen Bereichen kann „Information und Wissen“ als Medienbildungskompetenz einen Zugang bieten.


Nicht zuletzt der wichtige Bereich „Religionen“ birgt sowohl „Information und Wissen“, „Kommunikation und Kooperation“ als auch „Produktion und Präsentation“, worauf auch die Denkanstöße hindeuten: „Auf welche Weise können die Kinder Einblicke in [das] Leben und [den] Glauben von Angehörigen anderer Religionen erhalten (zum Beispiel Medien, Bilderbücher, Medienkoffer Weltreligionen, Gespräch[/Interview], Besuch eines Gotteshauses, Zeugnisse und Kultgegenstände anderer Religionen)?“ (S. 24) Gleiches gilt entsprechend natürlich auch für den Bereich Kirche.

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Klassen 3/4

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In den Klassenstufen 3/4 wird Medienbildung im Bereich „Bibel“ ausgewiesen. Mit dem Denkanstoß „Wie können sich die Kinder Schritte der Überlieferung erschließen (erzählen, aufschreiben, sammeln, übersetzen in verschiedene Landessprachen?)“ (S. 29) bietet sich an, über die Mediengesellschaft und ihre Aspekte intensiv zu reflektieren und zu sprechen. Im selben Bereich sieht der Bildungsplan Katholische Religionslehre den Medienbildungsaspekt „Kommunikation und Kooperation“ vor, indem er vorschlägt, dass die Schülerinnen und Schüler biblische Texte kreativ gestalten, was natürlich auch die Kompetenzen „Produktion und Präsentation“ umfasst.


Aber auch in den weiteren Bereichen bietet der Bildungsplan Optionen, Medienbildung zu integrieren. Im Teilbereich „Mensch“ verbergen sich wichtige Aspekte des Jugendmedienschutzes und der informationellen Selbstbestimmung. Im Bereich „Welt und Verantwortung“ bieten sich „Information und Wissen“, sowie „Produktion und Präsentation“ an. Unter dem Denkanstoß „Wie können die Kinder Einblick in unterschiedliche Lebensbedingungen erhalten (zum Beispiel Internet, Erfahrungsberichte/Erzählungen, Filmsequenzen, Bilder)? Welche Lebensbedingungen werden berücksichtigt (zum Beispiel geographische und klimatische Bedingungen, Bildungschancen, Familiensituation, individuelle und gesellschaftliche Situation, ethnische und soziale Herkunft)“ wird außerdem deutlich, dass digitale Medien wichtige Informationsquellen sein können (S. 28).


Auch im Themenbereich „Gott“ wird auf Medien als Impulse hingewiesen, die geeignet sind, Kindern zu der Erkenntnis zu verhelfen, „dass Gott mehr, anders und größer ist, als Menschen darstellen können“ (S. 31). Auch hier können die Medienbildungskompetenzen „Information und Wissen“ sowie „Produktion und Präsentation“ einen Platz erhalten.


Und schließlich bietet der Bereich „Religionen“ vielfältige Möglichkeiten, vor allem den Medienbildungsaspekt „Information und Wissen“ zu verorten. Darauf weisen auch die Denkanstöße „Mit welchen Medien können sich die Kinder Gemeinsamkeiten und Unterschiede der monotheistischen Weltreligionen erschließen und darüber ins Gespräch kommen?“ und „Wie können die Kinder zum Nachdenken über Religionen angeregt werden? Beispiele: [...] Warum gibt es verschiedene Religionen? Glauben Menschen verschiedener Religionen an denselben Gott?“ hin (S. 37).


Insgesamt bildet also der Bildungsplan Katholische Religionslehre das gesamte Spektrum der Medienbildung ab. Somit kann der katholische Religionsunterricht der Grundschule einen wichtigen Beitrag zur Leitperspektive Medienbildung leisten.

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Filmbildung im Religionsunterricht: Ente, Tod und Tulpe

Evangelische Religionslehre/Katholische Religionslehre, Klasse 3–13, GS/Sek I/ Gym: Der liebevoll inszenierte Zeichentrickfilm greift das Thema Tod auf und eignet sich gut für die Filmbildung im Religionsunterricht. Leihmöglichkeit: DVD-Video (Nr. 4665273) in der LMZ-Medienrecherche.weiterlesen

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