Gemeinschaftskunde – Gymnasium – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Gemeinschaftskunde im Gymnasium vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf den Bildungsplan 2004 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Der Gemeinschaftskundeunterricht eignet sich in besonderer Weise für die Vermittlung grundlegender Elemente der Medienbildung. Dies hat auch bereits ersten Niederschlag im Bildungsplan 2004 gefunden. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird die „Medienkompetenz“ bzw. „Medienerziehung“ als eigene Kompetenz zwar nicht explizit aufgegriffen, jedoch sollen die Schülerinnen und Schüler die fachspezifischen Methoden sozialwissenschaftlichen Arbeitens kennen. Hierzu zählen die Informationsbeschaffung, Informationsverarbeitung und Präsentation (BP 2004, Gym, Gemeinschaftskunde, S. 259). Diese Kompetenzen können allgemein dem Lernen mit Medien zugeordnet werden.
Unter „Kompetenzen und Inhalte wurde das „Lernen über Medien im Kontext der Bedeutung von Medien für die politische Teilhabe aufgegriffen (vgl. S. 261).  
Insgesamt kann allerdings festgehalten werden, dass die besondere Bedeutung des Gemeinschaftskundeunterrichtes für eine Medienbildung im Bildungsplan 2004 nur in Teilen dargestellt wurde. 

Medienkompetenz und Medienbildung im Gemeinschaftskundeunterricht ab 2016

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Dieser Umstand ändert sich im Bildungsplan 2016 für Gymnasien deutlich, indem der Medienbildung im Gemeinschaftskundeunterricht insgesamt ein höherer Stellenwert eingeräumt wird. Folgende Felder der Medienbildung werden dabei aufgegriffen: „Produktion und Präsentation“, „Mediengesellschaft“ „Information und Wissen“ und „Grundlagen digitaler Medienarbeit“.


Insgesamt spiegelt der Bildungsplan der Gemeinschaftskunde so die deutlichen gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre wider, die mit der zunehmenden Durchdringung unserer Gesellschaft durch die digitalen Medien einhergingen. Der Gemeinschaftskundeunterricht eignet sich in besonderer Weise, die Wirkungsweisen der Medien – also das Lernen über Medien – aufzugreifen. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird im Bildungsplan 2016 die Medienbildung für das Gymnasium folgendermaßen thematisiert: Elementarer Bestandteil des Gemeinschaftskundeunterrichts ist die Auseinandersetzung mit Entwicklungen, Chancen und Problemen der Mediengesellschaft. Medien sind im Alltag der Heranwachsenden stets präsent, sie ermöglichen umfassende Recherchen, prägen den politischen Diskurs und vermitteln zwischen den Bürgern und der Politik. Im Bereich des Datenschutzes stellen sie die Gesellschaft aber auch vor neue Herausforderungen (vgl. S. 4).

Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Laut prozessbezogenen Kompetenzen des Faches Gemeinschaftskunde soll in Hinblick auf den Kompetenzbereich „Information und Wissen“ der Medienbildung die Recherchekompetenz vertieft werden, indem die Schülerinnen und Schüler selbständig aktuelle Informationen beschaffen und bewerten. Darüber hinaus können sie Ergebnisse (mit Hilfe von Medien) präsentieren (vgl. S. 5).

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Im Bildungsplan 2004 war die Nutzung der Medien zur politischen Teilhabe als inhaltlicher Schwerpunkt verankert. Auch im Bildungsplan 2016 wird man der Medienbildung insbesondere im politischen Kontext gerecht. Dies geschieht zum einen durch das Erläutern der Auf-gaben der Medien in einer demokratischen Gesellschaft. Zum anderen werden die Auswirkungen digitaler Medien auf die politische Willensbildung erläutert und die Bedeutung der Pressefreiheit erarbeitet (vgl. S. 22f).

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Klassen 7/8/9

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Die Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen im Fach Gemeinschaftskunde in den Klassen 8/9/10 legen den thematischen Schwerpunkt auf das Lernen über Medien. Übergeordnet steht die Bedeutung der Medien für eine demokratische Gesellschaft im Fokus.
In diesem Kontext erläutern die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeiten der politischen Partizipation im Internet, so unter anderem über Blogs, soziale Netzwerke und E-Petitionen (vgl. S. 20). Die Lernenden legen zudem die Aufgaben der Medien in einer demokratischen Gesellschaft dar (Information, Agenda-Setting, Herstellung von Öffentlichkeit, Ermöglichung der Teilhabe am politischen Diskurs, Kritik und Kontrolle) und können die Auswirkungen digitaler Medien auf die politische Willensbildung erläutern (vgl. S. 22f). Darüber hinaus wird die Bedeutung der Pressefreiheit als Grundlage der Demokratie erarbeitet (vgl. ebd.).
Die Schülerinnen und Schüler beschreiben Formen von Jugendkriminalität und können ihre Ursachen erklären (vgl. S. 17). Hierdurch wird speziell das Thema Mobbing bzw. Cybermobbing aufgegriffen.


Der Abschnitt „Kontrolle politischer Herrschaft in Deutschland“ geht auf die Kontrolle durch Medien (u. a. investigativer Journalismus) ein (vgl. S. 25).  Mit der Digitalisierung als eines der aufgeführten Beispiele und Themen wie dem Datenschutz bieten sich hier Anknüpfungspunkte für medienbildnerische Inhalte (vgl. S. 28).

Klassen 11/12 zweistündig

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Die Medienbildung wird auch in den Klassen 11/12 (zweistündig) erneut im Kontext der politischen Partizipation aufgegriffen. Die Schüler/innen erörtern so die Bedeutung der Medien für die politische Teilhabe (z.B. Medien als politische Akteure, Inszenierung von Politik, Symbiose von Politik und Medien, Entparlamentarisierung) (vgl. S. 34). Zudem wird auch die Erweiterung der Partizipationsmöglichkeiten um dialogorientierte Partizipationsformen und Bürgerbeteiligung erarbeitet. Hierzu zählen z.B. (digitale) Beteiligungsportale (vgl. S. 35).

Klassen 11/12 vierstündig

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Die inhaltsbezogenen Kompetenzen für den Bereich Medienbildung sind in den Klassen 11/12 vierstündig grundsätzlich mit denen der Klassen 11/12 zweistündig identisch. Sie wer-den ergänzt durch folgende Kompetenzen: Zugehörig zum Themenfeld der politischen Teilhabe beschäftigen sich die Schüler/innen mit dem Einfluss von Interessenverbänden auf Parlament und Regierung (vgl. S. 42f). Des Weiteren erarbeiten die Lernenden den Einfluss der Medien auf die Gesetzgebung und das Regieren (z.B. Entscheidungsfindung, demokratische Legitimierung) (vgl. S. 43). Zuletzt soll beurteilt werden, inwieweit Medien ihre Kontrollfunktion wahrnehmen (Themenfeld „Kontrolle politischer Herrschaft“). Als Beispiele werden die Wirklichkeitsverzerrung durch Medien, Journalisten als politische Akteure, Journalismus unter wirtschaftlichen Zwängen und investigativer Journalismus genannt (vgl. S. 44).

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Unterrichtsmodul: Verleumdung von Flüchtlingen

Gemeinschaftskunde, Klasse 9–12, Sek I/Gym: Der pauschale Vorwurf, Nachrichten einflussreicher Medien seien manipuliert („Lügenpresse“) hält einer genaueren Nachprüfung nicht stand. Solche Thesen dienen eher dazu, Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen.weiterlesen

Unterrichtsidee: The Big Four

Gemeinschaftskunde, Sek I/GY:Wenige Anbieter dominieren den Markt. Ausgehend von dem hr2-Hörspiel „Krieg der Welten – wer beherrscht das Netz?“ werden die Unternehmen Apple, Google, Amazon und Facebook unter die Lupe genommen.weiterlesen

Unterrichtsmodul: YouTuber und Politik

Gemeinschaftskunde, Klasse 10, GY: In diesem Unterrichtsmodul analysieren die Schülerinnen und Schüler Politikformate für Jugendliche und der Einfluss von Sprache und Inszenierung auf das jugendliche Publikum. Zudem erstellen sie einen eigenen Videobeitrag.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis