Evangelische Religionslehre – Sekundarstufe I – Bildungsplan 2016

Bild: Eward Simpson, Lizenz: CC BY-SA

Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Evangelische Religionslehre in der Sekundarstufe I vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Der Bildungsplan 2012 beziehungsweise 2004 für den evangelischen Religionsunterricht hat im Hinblick auf die Integration der Medienbildung nur wenig Vorarbeit geleistet. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ der Werkreal- und Realschule wird die Medienkompetenz beziehungsweise Medienerziehung als eigene Kompetenz nicht aufgegriffen. Im Bildungsplan 2012 der Werkrealschule können jedoch die methodischen Kompetenzen, wie zum Beispiel „Sachverhalte […] recherchieren“ und „Erkenntnisse und Ergebnisse […] präsentieren“ (BP 2012, WRS, Ev. Religionslehre, S. 13), auch mittels digitaler Medien von den Schülerinnen und Schülern erworben werden. Unter „Kompetenzen und Inhalte“ wird die Medienbildung ebenfalls nur vereinzelt als Bestandteil des evangelischen Religionsunterrichts eingefordert.


Der evangelische Religionsunterricht hat folglich die Medienbildung noch nicht grundlegend im Unterricht verankert. Für eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg besteht im evangelischen Religionsunterricht folglich noch Handlungsbedarf.

Medienkompetenz und Medienbildung im evangelischen Religionsunterricht ab 2016

In der weiterführenden Schule wird der Medienbildung im evangelischen Religionsunterricht insgesamt ein wichtiger Stellenwert eingeräumt. Drei Felder der Medienbildung, nämlich „Produktion und Präsentation“, „Kommunikation und Kooperation“ und „Mediengesellschaft und Analyse“  sind im evangelischen Religionsunterricht vertreten.


In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird im Bildungsplan 2016 die Medienbildung für die Sekundarstufe I folgendermaßen thematisiert: Der evangelische Religionsunterricht stärkt die „ästhetische Kompetenz“ von Schülerinnen und Schülern, wobei Filme und digitale Medien explizit als Lerngegenstand genannt werden (BP 2016, Sek I, Ev. Religionslehre, S. 3). Des Weiteren wird der Religionsunterricht nicht nur personal, sondern auch medial vermittelt, womit der evangelische Religionsunterricht der Entwicklung Rechnung trägt, dass analoge und digitale Medien eine „wichtige Rolle“ in der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern spielen (S. 5).

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Laut prozessbezogener Kompetenzen des Faches Evangelische Religionslehre sollen die Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf den Kompetenzbereich „Wahrnehmungs- und Darstellungsfähigkeit“ die Rezeption religiöser Motive in den Medien erkennen (S. 9). Im Kompetenzbereich „Gestaltungsfähigkeit“ präsentieren Schülerinnen und Schüler religiös bedeutsame Inhalte und Standpunkte „medial und adressatenbezogen“ (S. 10).

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Die inhaltsbezogenen Kompetenzen des evangelischen Religionsunterrichts 2016 folgen mit ihrer Unterteilung in „Mensch“, „Welt und Verantwortung“, „Bibel“, „Gott“, „Jesus Christus“, „Kirche und Kirchen“ und „Religionen und Weltanschauungen“ dem alten Bildungsplan von 2004. Auch wenn Medienbildung erneut nicht als eigenständiges Lernfeld ausgewiesen wird, ist für den Bildungsplan 2016 der Wille erkennbar, das „Lernen mit und über Medien“ in die regulären Lernfelder zu integrieren, was im Folgenden besonders für die Bereiche „Mensch“ und „Bibel“ deutlich wird.

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Klassen 5/6

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Im Lernbereich „Bibel“ sollen Schülerinnen und Schüler die Entstehung, den Aufbau und die Bedeutung der Bibel erläutern und sich darin zurechtfinden. Hierbei sollen Erschließungshilfen genutzt werden (unter anderem auch „Online-Ressourcen“) (S. 15). Hierzu empfiehlt das Landesmedienzentrum spezielle Kindersuchmaschinen wie Blinde Kuh oder FragFINN, die ausschließlich altersgerechte Ergebnisse anzeigen. Für fachspezifische Recherchen eignet sich zudem das Portal BasisBibel.


Im Bereich „Mensch“ geht es um die Grunderfahrungen des Menschseins und die daraus resultierenden Konsequenzen für das eigene Selbstverständnis und die Gemeinschaft. Hierbei bedient sich der Religionsunterricht „verschiedener Medien“. Unter anderem wird hier auch der Film genannt (S. 11).


Im Bereich „Kirche und Kirchen“ beschreiben die Schülerinnen und Schüler die Kennzeichen der evangelischen und katholischen Kirche und setzen sich mit liturgischen Ausdrucksformen auseinander. Dabei soll auch die mediale Präsenz der beiden Konfessionen genauer analysiert und kritisch hinterfragt werden (S. 20).

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Klassen 7/8/9

In den Klassen 7, 8 und 9 stehen im Lernbereich „Mensch“ unter anderem die Punkte „Selbstwahrnehmung, Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung“ im Mittelpunkt. Hier soll durch die Schülerinnen und Schüler analysiert werden, inwiefern Vorbilder, Körperkult und Leistungsorientierung durch die Medien vermittelt werden (S. 24).


Der Lernbereich „Welt und Verantwortung“ befasst sich mit den christlichen Maßstäben für mehr Gerechtigkeit und den Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen. Hier wird das nicht näher spezifizierte „Online-Verhalten“ von Jugendlichen als Beispiel für eine „ethische Herausforderung“ genannt (S. 26). Gerade der Bereich Jugendmedienschutz und im Speziellen das Thema Cybermobbing bieten sich an, hier behandelt zu werden.

Klasse 10

Im Bereich „Mensch“ beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 mit unterschiedlichen „Ausprägungen von Liebe, Partnerschaft und Sexualität“. Diese können etwa kulturell bedingt, eine Folge des gesellschaftlichen Wandels oder medial vermittelt sein (S. 35). Gerade neumodische Erscheinungen wie Sexting und Internetpornographie sind Themen, die die digitalen Medien aktuell dominieren.


Im Bereich „Bibel“ geht es abschließend um die Rezeption biblischer Texte und Motive in den Medien. Neben Musik und bildender Kunst werden auch der Film und die Werbung genannt, zu denen Schülerinnen und Schüler kritisch Stellung nehmen sollen (S. 37).

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Filmbildung im Religionsunterricht: Ente, Tod und Tulpe

Evangelische Religionslehre/Katholische Religionslehre, Klasse 3–13, GS/Sek I/ Gym: Der liebevoll inszenierte Zeichentrickfilm greift das Thema Tod auf und eignet sich gut für die Filmbildung im Religionsunterricht. Leihmöglichkeit: DVD-Video (Nr. 4665273) in der LMZ-Medienrecherche.weiterlesen

Unterrichtsmodul: Lokaler Kirchenführer

Evangelische Religionslehre, Klasse 6, WRS/RS/GY: Die Jugendlichen gestalten einen Kirchenführer zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden der evangelischen und katholischen Konfession.weiterlesen

Unterrichtsmodul: Gleichnisse Jesu als Comic

Evangelische Religionslehre, Klasse 6, WRS/RS/GY: Eins der von Jesus ausgesprochenen Gleichnisse aus den Evangelien wird als Comic dargestellt und das Ergebnis in der Klasse diskutiert.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis