Ethik – Sekundarstufe I – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Ethik in der Sekundarstufe I vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Bereits im Bildungsplan Ethik 2012 der Werkrealschule wird die Medienbildung aufgegriffen: In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird angeregt, dass Schülerinnen und Schüler in einer „immer mehr von […] den Medien beherrschten Welt Wege finden, ihr eigenes Leben lebenswert zu gestalten“ (BP 2012, WRS, Ethik, S. 36). Darin zeichnet sich eine noch hauptsächlich an den Massenmedien orientierte Sicht des passiven Konsums ab, bei der ein medienkritischer Ansatz von Medienpädagogik überwiegt.


Die „Didaktische[n] Hinweise und Prinzipien für den Unterricht“ der Werkrealschule konkretisieren den Beitrag des Faches Ethik zur Medienbildung: Die Schülerinnen und Schüler können sich zu einem Thema Informationen aus unterschiedlichen Medienbereichen und Quellen beschaffen und auswerten. Sie sind sich hierbei der „Missbrauchsmöglichkeiten und Risiken der Informations- und Kommunikationstechnologie und globaler Netze“ (BP 2012, WRS, Ethik, S. 37) bewusst.


Der Bildungsplan 2004 der Realschule trägt zur „Informationstechnischen Grundbildung“ bei, „indem bei der Unterrichtsgestaltung der Einsatz moderner Medien als Bildungsgut, als Bildungsvoraussetzung und als Beitrag zur Bewältigung der Lebenssituation angestrebt wird“ (BP 2004, RS, Ethik, S. 44).
In den Jahren 2012 bzw. 2004 stand der Ethikunterricht noch an der Schwelle zu Web 2.0 und hat dementsprechend vor allem die Medienbildungsbereiche fokussiert, die im Bildungsplan 2016 mit „Information und Wissen“ und „Mediengesellschaft und -analyse“ bezeichnet werden.

Medienkompetenz und Medienbildung im Ethikunterricht ab 2016

Im Ethikunterricht des Bildungsplanes 2016 wird die Medienbildung in verschiedenen Themenfeldern als „Beschäftigung und kritische Auseinandersetzung mit Medien im Hinblick auf ethisch-moralische Fragen und Probleme explizit thematisiert“ (BP 2016, Sek I, Ethik, S. 6). In diesem Zusammenhang werden Mediengesellschaft, informationelle Selbstbestimmung, Datenschutz und Kommunikation sowie Kooperation im Unterricht aufgegriffen.
Der Ethikunterricht ist sich zudem der Medien als seinem „Bezugsmaterial“ bewusst, wobei „Zeitschriften, Internet, Filme, Bücher, Comics“ (S. 4) einem erweiterten Medienbegriff gemäß berücksichtigt werden. Sie tragen als Lernen mit Medien zum Erwerb von „Handlungskompetenz“ bei.

Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

In den prozessbezogenen Kompetenzen wird Medienbildung nur an einer Stelle ausdrücklich genannt, und zwar unter dem Aspekt „Wahrnehmen und sich Hineinversetzen“: Die Schülerinnen und Schüler können „ihre Wahrnehmung mit der anderer vergleichen und dabei Vormeinungen, Gewohnheiten und Prägungen (beispielsweise […] medial) berücksichtigen und aufzeigen“ (S. 10) – ein Zeichen der multiperspektivisch-konstruktivistischen Ausrichtung des Bildungsplanes Ethik. Unter der Überschrift „Beurteilen und (sich) entscheiden“ findet die Kompetenz Berücksichtigung, sich auf der Grundlage von Gefühl und Verstand für Handlungsoptionen zu entscheiden, was angesichts aktueller Phänomene in den Sozialen Medien (z.B. Extremismus und Hatespeech) unter Jugendlichen eine bekannt dringliche medienethische Relevanz hat (S. 12).

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen wurde gegenüber dem Bildungsplan 2004 bzw. 2012 deutlich ausgebaut und spiralcurricular verankert. Der Ethikunterricht trägt hierbei zur Leitperspektive Medienbildung hauptsächlich in den inhaltsbezogenen Kompetenzen bei, indem ein eigenes Kapitel „Medien und Wirklichkeiten“ der Medienbildung der Schülerinnen und Schüler gewidmet ist (S. 21).

Klassen 7/8/9

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Das Kapitel „Handeln in der medial vermittelten Welt“ (S. 21ff) trägt in den Klassen 7/8/9 in entscheidendem Maße zur Medienbildung der Schülerinnen und Schüler bei. Dies wird durch die im Folgenden beschriebene Kompetenzen verdeutlicht: Die Lernenden sollen den „Einfluss der Medien und der medialen Vernetzung […] untersuchen und bewerten“, „Chancen und Risiken der Mediennutzung herausarbeiten und einschätzen“, „Interessen und Bedürfnisse von Beteiligten und Betroffenen […] identifizieren“ und „vorgegebene rechtliche Grundlagen für den Umgang mit Medien erläutern und an Beispielen […] begründen“. Zusätzlich sollen sie „Handlungsmöglichkeiten für einen verantwortlichen und selbstbestimmten Umgang mit Medien darstellen und bewerten“.


Der Erwerb der angeführten Kompetenzen erfolgt hauptsächlich anhand praxis- und lebensweltnaher Erfahrungen und Beispielen der Schülerinnen und Schüler. So reflektieren sie zum Beispiel ihre eigene mediale Alltagsgestaltung und ihre Vernetzung in Sozialen Netzwerken, um den Einfluss der Medien zu untersuchen und zu bewerten.
Um die Chancen und Risiken der Mediennutzung zu erkennen und einzuschätzen, untersuchen die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel den medialen Informationszuwachs, die vielseitigen Möglichkeiten der medialen Kommunikation und Unterhaltung und setzen sich mit der dem Schutz der eigenen Privatsphäre ebenso auseinander wie mit den Merkmalen von Cybermobbing und präventiven Maßnahmen (vgl. S. 21). Indem zum Beispiel die Themen Privatsphäre, Datenschutz und eine respektvolle Mediennutzung im Unterricht thematisiert werden, erfahren die Schülerinnen und Schüler zudem, welche Interessen und Bedürfnisse die Menschen zur Mediennutzung animieren.  


Mit den rechtlichen Grundlagen für den Umgang mit Medien werden die Schülerinnen und Schüler im Ethikunterricht vertraut gemacht, indem sie sich zum Beispiel mit der Meinungs- und Pressefreiheit, den Grundrechten, dem Datenschutz oder dem Jugendschutzgesetz be-fassen (vgl. S. 22).

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Klasse 10 – Mittlerer Schulabschluss

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Im Kapitel „Liebe und Sexualität“ setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit (u.a. durch Medien geprägten) Rollenbildern von Partnerschaft, Ehe, Familie, sexueller Identität auseinander (vgl. S. 31).
Unter „Werte und Normen in der medial vermittelten Welt“ können die Schülerinnen und Schüler „medial vermittelte Zugänge zur Welt untersuchen und Auswirkungen der medial und digital geprägten und konstruierten Welt auf die Einzelne und den Einzelnen sowie die Gesellschaft erläutern und diskutieren. Sie können die ethisch-moralische Dimension medialer Formate herausarbeiten und diese unter Berücksichtigung von Werten und Normen beurteilen“ (S. 38). Zudem sollen sie „die welterschließende und weltverändernde Wirkung von Medien […] beschreiben und diskutieren“ und dabei „Begriffe wie Digitalisierung, medial konstruierte Wirklichkeit und Lebenswelt erläutern und differenzieren“ (S. 38). Zudem sollen die Lernenden „mediale Darstellungen unter ausgewählten ethisch relevanten Fragestellungen analysieren und beurteilen (z.B. bezogen auf Meinungsfreiheit, Persönlichkeitsrechte, Privatsphäre, Menschenwürde, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit)“ – um schließlich dahin zu gelangen, „den Stellenwert von vorgegebenen moralischen Werten und Normen für mediale Darstellungen aus vorgegebenen Perspektiven [zu] beschreiben und für den eigenen Umgang mit Medien [zu] diskutieren (zum Beispiel Produktion, Vertrieb, Rezeption)“ (S. 38f.).

 

Der Beitrag des Ethikunterrichtes für die Medienbildung und die demokratische Partizipationsbefähigung der Jugendlichen besteht insgesamt vor allem in der Auseinandersetzung mit medial vermittelten Werten und Normen. Dass es hierbei Werte und Normen „für den eigenen Umgang mit Medien“ (S. 39) zu erwägen gilt, unterstreicht die handlungsbezogene Kompetenzförderung des Faches Ethik. Mit „Medien als Einflussfaktoren“ (S. 38) wird auch ein Verweis auf die Leitperspektive Verbraucherbildung gesetzt.

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Une girafe sous la pluie

Evangelische Religionslehre/Katholische Religionslehre/Ethik, Klasse 4–10, GS/Sek I/Gym: Themenbank mit Unterrichtsmaterial zum Film „Une girafe sous la pluie“. Der Film thematisiert Vertreibung, Flucht und Fremde und kann in verschiedenen Schularten und Klassen eingesetzt werden.weiterlesen

Unterrichtsmodul: Kleine Medienapotheke

Katholische Religionslehre/Ethik, Klasse 5–6, Sek I/Gym: Unbedachte Mediennutzung bringt Kummer, Ärger und Störungen im Unterrichtsalltag. Aufklärung stärkt Jugendliche.weiterlesen

Unterrichtsmodul: Cybermobbing – erkennen und handeln

Deutsch/fachunabhängig, Klasse 6, GY/WRS/RS: Anhand vieler praktischer Übungen bekommen die Schülerinnen und Schüler schnell heraus, welche Rollen beim Mobbingprozess von Bedeutung sind. Sie werden über Risiken der Nutzung von Sozialen Netzwerken informiert. Sie erkennen, dass Mobbing, egal in...weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis