Englisch – Gymnasium – Bildungsplan 2016

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Englisch im Gymnasium vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf den Bildungsplan 2004 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Der Bildungsplan 2004 hat in Hinblick auf die Integration der Medienbildung im Englischunterricht bereits mit dem Bildungsplan 2004 gute Vorarbeit geleistet. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird die „Medienkompetenz“ bzw. „Medienerziehung“ im Kontext des fächerübergreifenden Unterrichts aufgeführt: „Vernetztes Lernen ist [dabei] unabdingbar, auch unter Verwendung moderner Informationstechnologien, ergänzt durch den gezielten Einsatz geeigneter Methoden“ (BP 2004, Gym, Englisch, S. 109).


Außerdem wird das Lernen mit und über Medien auch unter „Kompetenzen und Inhalte“ als Bestandteil des Englischunterrichts thematisiert – auch wenn Lernen über Medien damals noch nicht die Bedeutung hatte wie heute im Zeitalter der Mediatisierung. Grundsätzlich kommen Radiosendungen, Tonträger, Fernsehsendungen und Filme zur Verbesserung des „Hör- und Hör-/Sehverstehens“ zum Einsatz (S. 110). Außerdem werden die Fertigkeiten im Bereich der „Medienkompetenz und Präsentation“ schon ab 2004 explizit angeführt: Neben Textverarbeitungsprogrammen soll auch Anwendungssoftware zu Vokabeln, Grammatik und Textverarbeitung eingesetzt werden. Neben Internetrecherche und Präsentation sollen moderne Medien auch zur Kommunikation im Rahmen des Englischunterrichts genutzt werden.


Der Englischunterricht hat die Medienbildung folglich bereits 2004 im Unterricht verankert und die letzten Jahre solide Grundlagen gelegt. Insgesamt ist eine spiralcurriculare Verankerung der Medienbildung über alle Klassenstufen hinweg für den Englischunterricht vergleichsweise leicht umzusetzen. Gerade wer die Vorgaben zur Medienbildung im Bildungsplan 2004 für den Unterricht beherzigte, hat für 2016 wichtige Vorerfahrungen gesammelt, die weiter ausgebaut werden.

Medienkompetenz und Medienbildung im Englischunterricht ab 2016

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

In der weiterführenden Schule wird der Medienbildung im Englischunterricht insgesamt ein wichtiger Stellenwert eingeräumt. Dementsprechend sind im Bildungsplan 2016 fast alle Felder der Medienbildung einbezogen: „Produktion und Präsentation“, „Information und Wissen“, „Kommunikation und Kooperation“ und „Mediengesellschaft und -analyse“. Lediglich die „Informationstechnischen Grundlagen“ sind nicht explizit im Fach Englisch zu finden. Außerdem ist die fremdsprachenspezifische „Text- und Medienkompetenz“ verbindlicher Teil des Englischunterrichts, die in den Klassen 5 bis 10 spiralcurricular verankert ist. Darüber hinaus verbindet das zur Leitperspektive Verbraucherbildung gehörende Feld „Medien als Einflussfaktoren“ Verbraucher- und Medienbildung im Sinne des Lernens über Medien.


In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird im Bildungsplan 2016 die Medienbildung für die Sekundarstufe I im Fach Englisch vielfach thematisiert, da das Lernen von Sprachen und die Medienbildung wesentliche Meilensteine auf dem Weg zur Mündigkeit und interkulturellen Handlungsfähigkeit sind.


Zentral ausgewiesenes Ziel des Fremdsprachenunterrichts ist neben kommunikativen Kompetenzen und sprachlichen Mitteln (Wortschatz, Grammatik, Aussprache und Intonation) die oben bereits erwähnte „Text- und Medienkompetenz“. Die Fähigkeit, sich neben der reinen Rezeption mit Texten/Medien auseinanderzusetzen, diese zu strukturieren, zu analysieren, zu reflektieren und selbst zu produzieren, soll gefördert werden. Deshalb wird im Bildungsplan 2016 generell von einem „erweiterten Textbegriff“ ausgegangen. „Als Texte werden demnach alle mündlichen, schriftlichen und visuellen Produkte in ihrem jeweiligen kulturellen und medialen Kontext verstanden, die analog oder digital vermittelt werden“ (BP 2016, Gym, Englisch, S. 5). Regelmäßige Rechercheaufträge befähigen die Schülerinnen und Schüler, „dem Internet zielgerichtet Informationen [zu] entnehmen und entsprechend der Aufgabenstellung aus[zu]werten“ (S. 5). Dabei lernen sie auch „Texte gegebenenfalls kritisch zu ihrem medialen Umfeld in Beziehung zu setzen“ (S. 5).


Sowohl didaktisierte und authentische Texte als auch Filmsequenzen aus englischsprachigen Ländern lassen die Lernenden „vielfältige Denk- und Handlungsweisen erfahren“, andere Perspektiven einnehmen und geben Anreiz, „sich gestaltend mit Texten [zu] beschäftigen“. Außerdem ermöglichen Lehr- und Lernmittel „kommunikative Modellsituationen“, die für „authentische Begegnungssituationen, wie zum Beispiel E-Mail-Projekte, sensibilisieren und (…) [deren] sprachliche und interkulturelle kommunikative Kompetenz [erweitern]“ (S. 6). Deshalb wird auch in den „Didaktischen Hinweisen“ darauf aufmerksam gemacht, „aus Gründen der Motivation und Aktualität lehrwerksunabhängige und authentische Materialien ein[zu]setzen und damit einzelne Lehrwerksteile [zu] ersetzen“.


Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass die Themen des Englischunterrichts zum „sichere[n], kritische[n] und verantwortungsvolle[n] Umgang mit Medien“ beitragen und das Fach einen entscheidenden Beitrag zur Leitperspektive Medienbildung (MB) leistet. Das Zusammenwirken von Medienbildung und Englischunterricht zeigt sich deutlich: Durch das Lernen mit und über Medien wird „die Rolle des Englischen in den Medien“ reflektiert und damit auch die kritische Auseinandersetzung mit Medien erlernt (S. 7).

Nach oben

Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Die prozessbezogenen Kompetenzen des Faches Englisch im Bildungsplan 2016 gliedern sich in (1) Sprachbewusstsein und (2) Sprachlernkompetenz. So sollen Medien zur Entwicklung und Erweiterung der (2) Sprachlernkompetenz Begegnungen in der Fremdsprache ermöglichen (z. B. über E-Mail-Projekte oder Austauschprogramme) und weitgehend selbständig eingesetztes Hilfsmittel sein. Im Kontext des (1) Sprachbewusstseins werden Medien zwar nicht explizit genannt, ihr Einsatz bietet sich aber an - tragen sie doch durch authentische Beispielsituationen aus Filmausschnitten oder Hörspielen und in Form von digitalen Lernhilfen zum erfolgreichen Erwerb von soziokulturellem Wissen und sprachlicher Ausdrucksfähigkeit bei.

Nach oben

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

In nahezu allen Kompetenzbereichen des Fremdsprachenlernens der Klasse 5 bis 12 des Gymnasiums ist die Medienbildung berücksichtigt. Dazu gehören:

  • Soziokulturelles Orientierungswissen/ Themen
  • Interkulturelle kommunikative Kompetenz
  • Funktionale kommunikative Kompetenz:

            o    Hör-/Hörsehverstehen
            o    Leseverstehen
            o    Sprechen
            o    Schreiben und

  • Verfügen über sprachliche Mittel

Zudem tritt die

  • Text- und Medienkompetenz

als eigenständiger Kompetenzbereich auf.


Damit wird im Englischunterricht sowohl dem Lernen mit Medien als auch dem Lernen über Medien eine bedeutende Rolle eingeräumt. Die Medienbildung liefert also einen zum Spracherwerb wichtigen Beitrag und findet vermehrt Einzug in den Unterricht. Auch die Filmbildung ist wesentlicher Teil des Englischunterrichts am Gymnasium.

Nach oben

Klassen 5/6

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

In den ersten beiden Lernjahren werden wichtige Grundlagen für den Erwerb der englischen Sprache und Kultur erlernt. Dies gilt gleichermaßen auch für die Kompetenzen der Medienbildung, die entscheidend zum erfolgreichen Sprachenlernen beitragen können. Entsprechend werden in den „Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen“ zum Fach Englisch in den Klassen 5/6 sowohl das Lernen über Medien als auch das Lernen mit Medien berücksichtigt.


Die Schülerinnen und Schüler lernen „didaktisierte Hör- und Hörsehtexte zu altersgerechten Themen“ in der Standardsprache zu verstehen und „Hauptaussagen und gegebenenfalls die Intention von Gehörtem/Gesehenem“ bzw. Medienprodukten wie E-Mails, Filmsequenzen oder Liedern zu entnehmen (S. 16). Hierbei ist es empfehlenswert, entsprechende Medien im Sinne des individualisierten Lernens zeitweise jedem Lernenden zur Verfügung zu stellen, so dass jede(r) in ihrem bzw. seinem Tempo lernen kann.


Im Sinne des Leseverstehens sind Texterschließungstechniken wie das Aufschreiben von kurzen Notizen weitere wichtige strategische Grundlagen zum Erwerb von Medien- und Fremdsprachenkompetenz. Beim Verstehen einer Ganzschrift auf Niveau A2 können neben Büchern auch Filme eingesetzt, besprochen und kreativ umgesetzt werden.


Die zur Medienbildung gehörende Kompetenz „Produktion und Präsentation“ spielt in den Klassen 5/6 beim „zusammenhängenden monologischen Sprechen“ eine wichtige Rolle: Die Schülerinnen und Schüler erwerben beim Präsentieren mit Plakaten, Realien und passenden Medien Grundlagen für weitere Vorträge, Referate und andere Sprechanlässe (S. 18).


Beim Verfassen einfacher persönlicher Korrespondenzen wie E-Mails oder text messages wird das „Schreiben“ mit dem Lernen über Medien verbunden. Chatgespräche stellen eine authentische Situation dar, die ermutigt, die eigene Meinung, Zustimmung oder Ablehnung zu äußern.


Auch beim Erwerb von Strategien und Methoden zum Fremdsprachenlernen sind digitale Medien wichtige Hilfsmittel, die schon in Klasse 5/6 zum Einsatz kommen: Zur Erschließung von Wortschatz, Grammatik sowie Aussprache und Intonation können beispielsweise Lernprogramme wie Phase 6 zum Vokabeltraining unter Beachtung des Datenschutzes bei der Anmeldung eingesetzt werden. Auch Online-Übungen (zum Beispiel des Landesbildungsservers) können sinnvolle Hilfsmittel beim Erwerb der funktionalen kommunikativen Fähigkeiten sein. Online-Übungen und Lernprogramme können den Spaß am Lernen vergrößern und sich motivierend auf die Lernenden auswirken. Keineswegs darf durch deren Einsatz jedoch das manuelle Schreiben vernachlässigt werden.


Der Kompetenzbereich „Text- und Medienkompetenz“ vervollständigt schließlich die wichtigsten medienbildnerischen Fähigkeiten beim Englischlernen der Klassen 5/6. Die Schülerinnen und Schüler lernen aus „vorgegebenen Quellen mithilfe gezielter Aufgaben Informationen [zu] entnehmen“ und die Merkmale von Textsorten oder Medienprodukten zu benennen und diese bei der eigenen Text- und Medienproduktion anzuwenden (S. 24).

Nach oben

Klassen 7/8

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

In den Klassen 7 und 8 spielen das Lernen mit und Lernen über Medien gleichzeitig gleichermaßen eine wichtige Rolle. Erworbene Fähigkeiten aus den Klassen 5/6 werden, im Sinne eines spiralcurricular aufgebauten Kompetenzerwerbs, erneut aufgegriffen und wiederholt. Dies trifft besonders auf die „Text- und Medienkompetenz“ und „Strategien und Methoden“ zum funktionalen Spracherwerb von Wortschatz, Grammatik und Aussprache zu. Einzelne Felder der Medienbildung wie die „Medienanalyse“ oder „Mediengesellschaft“ rücken vermehrt ins Zentrum der Medienbildung im Englischunterricht („Lernen über Medien“). Diese lassen sich auch ohne größere Medienausstattung sinnvoll und für die Altersgruppe ansprechend im Unterricht thematisieren.


In diesem Zusammenhang werden in den Klassen 7/8 im Bereich „soziokulturelles Orientierungswissen/Themen“ neben Sozialen Netzwerken auch Vorbilder − die sogenannten „role models − (auch) als Medienkonstrukte“ behandelt. Außerdem sollen die Schülerinnen und Schüler sich zu Themen aus der Lebenswelt Jugendlicher verschiedener Kulturen äußern und austauschen, wobei Medien ebenfalls thematisiert werden können. Auch das Stichwort „Konsumverhalten“ bietet Anknüpfungspunkte, um den Bereichen „Mediengesellschaft“, „Kommunikation und Kooperation“ und dem „Jugendmedienschutz“ in der Fremdsprache zu begegnen (S. 25).


Wie bereits in den Klassen 5 und 6 spielt das Hör- und Hörsehverstehen in 7 und 8 weiterhin eine wichtige Rolle beim Erwerb sprachlicher und kultureller Fähigkeiten: Die Schülerinnen und Schüler können angeleitet aus Interviews, Filmausschnitten, Präsentationen und Audioguides „Hauptaussagen und gegebenenfalls die Intention von Gehörtem/Gesehenem“ entnehmen“ (S. 26). Neben Jugendliteratur und Lexikonartikeln werden Filmempfehlungen und Blogs zum Training des Leseverstehens herangezogen, um Sinnzusammenhänge zwischen Textteilen zu erschließen (ebd.). Als Ganzschrift auf Niveau B1 können auch Filme besprochen werden oder zusätzlich zur Printausgabe eines Werkes eingesetzt werden. Das Üben von Texterschließungstechniken wie das Machen von Notizen oder das Finden zusammenhängender Überschriften wird in den Klassen 7/8 geübt.


Im Sinne der medienbildnerischen Kompetenz „Produktion und Präsentation“ ist auch das Sprechen und medial unterstützte Präsentieren im Englischunterricht der Klassen 7 und 8 zu finden. Berufsbezogene Korrespondenzen werden beim Schreiben von E-Mails, Lebenslauf und Bewerbung geübt. Damit werden Schülerinnen und Schüler schon frühzeitig auf die Berufswelt vorbereitet, in der digitale Medien eine wichtige Rolle spielen.


Zu den fachspezifischen Kompetenzbereichen des „Schreibens“ und der „Text- und Medienkompetenz“ gehören außerdem die Fähigkeiten, zu einem Blog oder einer Buch- und Filmempfehlung „die eigene Meinung schlüssig darlegen“ und Geschichten, Gedichte und Szenen selbst in Form einer Filmszene oder einer survival story zu verfassen (S. 29).


Digitale Medien, wie online dictionaries und Apps, dienen außerdem der Erschließung von neuem Wortschatz, dem Nachschlagen von Grammatik und der Korrektur und Verbesserung der Aussprache und Intonation, wobei auch die Lautschrift an Bedeutung gewinnt. Der zielgerichtete Einsatz von digitalen Hilfsmitteln führt zu einer Erweiterung der Methoden und Strategien im Umgang mit der Fremdsprache, insbesondere auch beim selbstständigen Verfassen und Überarbeiten eigener Texte. Für den Einsatz im Unterricht sind die Grammatik- und Vokabelspiele des British Councils zu empfehlen oder die verschiedenen Übungen des Landesbildungsservers zu Zeiten und Verben. Empfehlenswert ist auch das Onlinewörterbuch dict.cc.


Die Medienanalyse ist ebenfalls Teil des modernen Fremdsprachenunterrichts in der Mittelstufe. Die Schülerinnen und Schüler lernen „gehörte und gesehene Informationen [wie sound effects, props, setting] im Zusammenhang [zu] verstehen“ und die Wirkweise von Texten und Medienprodukten wie Musik und Liedtexten bzw. klassischem Tagebuch oder Blog „in Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Medium [zu] verstehen und [zu] kommentieren“ (S. 35). Die Lernenden sollen außerdem befähigt werden „gängige Textsorten [wie Sachtexte und fiktionale Texte] und deren Merkmale weitgehend selbstständig [zu] identifizieren und diese bei der eigenen Textproduktion an[zu]wenden“ (S. 35).


Auch der Kompetenzbereich „Information und Wissen“ ist wichtiger Teil des Englischunterrichts der Klassen 7 und 8: „Gegebenenfalls selbstständig gewählten Quellen Informationen zu entnehmen und aufgabengerecht [zu] nutzen“ ist eine weitere Fähigkeit, die im Englischunterricht erlernt und vertieft wird. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler „die Zuverlässigkeit der Quellen“ weitgehend selbstständig bewerten und die Urheberrechte beachten können (S. 35). Bedenkt man, dass ab Klasse 7 gleichwertige Feststellungen von Schülerleistungen (GFS) von jeder Schülerin bzw. jedem Schüler verpflichtend angefertigt werden, so ist es sehr zu empfehlen, wichtige Grundlagen zur Internetrecherche fächerübergreifend festzulegen und vor allem eine einheitliche Vorgehensweise zum Zitieren oder dem Umgang mit Quellen zu finden.


Vergleicht man die Anforderungen des Bildungsplans 2016 der Sekundarstufe I mit dem des Gymnasiums für das Fach Englisch, so zeigt sich, dass die Anforderungen des gymnasialen Englischunterrichts der Klassen 7 und 8 der Niveaustufe E2 der Sekundarstufe I in Klasse 7/8/9 entsprechen. In Bezug auf die Medienbildung und Leistungsdifferenzierung können Projektphasen über mehrere Unterrichtsstunden gerade auch für den Englischunterricht des Gymnasiums empfohlen werden, in denen die Schülerinnen und Schüler selbst kreativ werden, Text- und Medienprodukte in der Zielsprache erstellen und anschließend präsentieren.

Nach oben

Klassen 9/10

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

In den Klassen 9 und 10 nimmt die Fähigkeit, selbstständig mit komplexeren englischsprachigen Texten und Medienprodukten umzugehen und diese kritisch zu reflektieren, einen zunehmend wichtigeren Stellenwert ein. Dabei gewinnt die Medienanalyse nochmals an Bedeutung, da sie eine essentielle Fähigkeit ist, um sowohl sprachliche und kulturelle Phänomene deuten als auch selbst anwenden zu können. Auch die eigene Text- und Medienproduktion und die dazugehörige sprachliche Überarbeitung stehen zunehmend im Fokus des Englischunterrichts am Gymnasium. Lese-, Schreib- und Sprechanlässe, die in engem Zusammenhang mit der Medienbildung stehen, sind „aktuelle Themen und Ereignisse“, peer pressure und „die Beziehung des Individuums zu seinem Lebensraum – Umgang mit Ressourcen“. Explizit wird im Abschnitt „soziokulturelles Orientierungswissen“ auch die „Rolle der Medien“ und dazu insbesondere das „Verständnis von Privatsphäre“ genannt (S. 36). Am Gymnasium in Klasse 9/10 sollen dabei auch komplexere Themen verschiedener Zielkulturen in deren historischem Kontext reflektiert werden.


Im Sinne des Hör- und Hörsehverstehens werden Hauptaussagen, Intentionen und „implizite Detailinformationen“ von beispielsweise podcasts oder Filmen entnommen und im Gesamtzusammenhang verstanden (S. 38).


Beim Lesen können die Lernenden „gehörte und gesehene Informationen selbstständig [...] in ihrem Zusammenspiel und in ihrer Wirkung verstehen“ (S. 47). Dazu werden beispielsweise sound effects, camera techniques und setting in Spielfilmen, Werbung und Präsentationen untersucht. Darüber hinaus wird eine weitere, in den Klassen 7/8 bereits erworbene Kompetenz vertieft und spiralcurricular wieder aufgegriffen: Beim Analysieren und Kommentieren der Wirkweise von Texten, die in Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Medium verstanden werden, wird auch die Verbraucherbildung („Medien als Einflussfaktoren“) reflektiert.


Auch im Bereich der „Produktion und Präsentation“ zeigt sich der Zusammenhang zwischen Verbraucherbildung und dem Lernen über Medien: Die Fertigkeit, Texte/Filme/sonstige Medienprodukte hinsichtlich ihrer Intention identifizieren zu können, ist Voraussetzung dafür, dass deren Merkmale für eigene Text- und Medienprodukte genutzt werden. Außerdem werden Texterschließungstechniken von den Lernenden selbstständig und textspezifisch angewandt, welche auch bei der Rezeption der zwei in Klasse 9/10 vorgeschriebenen Ganzschriften eine wichtige Rolle spielen. Hierbei können Verfilmungen von Romanen oder Kurzgeschichten ergänzend herangezogen werden.


Ein anderer wichtiger Aspekt der Medienbildung im Fach Englisch ist die Internetrecherche, die auch in vielen weiteren Fächern durchgeführt wird. Dazu gehören Urheberrechte, die im Zusammenhang mit dem Kompetenzbereich „Wissen und Information“ wiederholt und bei der Recherche beachtet werden. Beim aufgabengerechten Nutzen von Informationen aus dem Internet und anderen englischsprachigen Quellen lernen die Schülerinnen und Schüler darüber hinaus auch die Zuverlässigkeit der Quellen weitgehend selbstständig zu bewerten. Empfehlenswert ist es, Anforderungen und Vorgehensweisen zum Thema im Klassenteam abzusprechen und fächerübergreifende, einheitliche Standards für die verschiedenen Klassenstufen zu schaffen.

Nach oben

Klassen 11/12

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

In der Kursstufe werden die in den Vorjahren erworbenen Kompetenzen der Medienbildung vertieft und nochmals erweitert. Erlernte Strategien und Methoden tragen über das Abitur hinaus zum lebenslangen Fremdsprachenlernen und zur Handlungsfähigkeit in interkulturellen Situationen bei. Dementsprechend werden in den Klassen 11 und 12 neben dem „Hör- und Hörsehverstehen“, „Leseverstehen“ und den „sprachliche[n] Mitteln“ (Wortschatz, Grammatik sowie Aussprache und Intonation) auch vor allem die „Text- und Medienkompetenz“ vertieft.


Zur weiteren Verbesserung der „funktionalen kommunikativen Kompetenz“ und des „Hör-/Hörsehverstehens“ gilt es in Klasse 11 und 12 auch zu abstrakten Themen, „die Hauptaussagen und gegebenenfalls die Intention von Gehörtem/Gesehenem“ und „explizite und implizite Detailinformationen“ zu entnehmen, beispielsweise aus Talkshows, Filmen und Reden (S. 51).


Im Kontext des strategischen und methodischen Wissens steht zunächst das Leseverstehen in Zusammenhang mit der Medienbildung, da Texterschließungstechniken wie „mind map, clustering, T-Chart, flow chart“ auch digital umgesetzt werden können.


An zweiter Stelle im Kontext von strategischen Sprachlernkompetenzen und der Medienbildung sei das „Schreiben“ genannt, da laut Bildungsplan 2016 „ein breites Spektrum an, auch digitalen, Hilfsmitteln (…) zum Verfassen und Überarbeiten eigener Texte selbstständig und zielgerichtet verwende[t]“ werden soll (S. 55).


Ebenfalls im Kontext des Feldes „Information und Wissen“ werden digitale Hilfsmittel zur „selbstständigen Erschließung und differenzierten und idiomatischen Verwendung neuen Wortschatzes und zur Korrektur des bestehenden Wortschatzes“ eingesetzt (S. 58). „Die korrekte Aussprache und Betonung unbekannter Wörter [soll von den Schülerinnen und Schülern] unter Verwendung digitaler Medien beziehungsweise der internationalen Lautschrift in Lexika ermittel[t]“ werden (S. 59). Bewährt hat sich hierfür das Online-Wörterbuch dict.cc oder die kostenlosen Online-Nachschlagehilfen beispielsweise von Oxford Learner‘s Dictionaries.


Digitale Hilfsmittel können auch beim selbstständigen Erkennen und Aufarbeiten des eigenen Lernbedarfs zur Grammatik eingesetzt werden. Einzelne Universitäten bieten ansprechende Materialien online an, die auch in der Kursstufe genutzt werden können, wie beispielsweise die herunterladbaren Arbeitsblätter „Can you spot the errors and correct them?“.


Dem „Sprechen“ wird im Englischunterricht der Kursstufe neben dem „Schreiben“ ein besonders wichtiger Stellenwert eingeräumt, was auch durch die Kommunikationsprüfung im Abitur deutlich wird. Deshalb ist eine zentrale Kompetenz des Englischunterrichts, „ein abstraktes, zielkulturell relevantes Thema adressatengerecht präsentieren [zu können und] dabei mediale Unterstützung funktional ein[zu]setzen (zum Beispiel Thesenpapier)“ (S. 54).


Die „Text- und Medienkompetenz“ und „Medienanalyse“ stehen im Englischunterricht der Kursstufe in engem Zusammenhang. Dabei sei nochmals an den erweiterten Textbegriff erinnert, der alle Medienprodukte in ihrem jeweiligen medialen Kontext umfasst. Die Analyse und Interpretation von Texten (Argumentation, Struktur, Textsorte, Gestaltungsmittel, Charaktere, Leserlenkung und Erzählhaltung) stehen in engem Zusammenhang mit dem Hör-/Hörsehverstehen und der Filmbildung. Bei der Filmanalyse spielen vor allem auch „cinematic devices“ eine wichtige Rolle. Die Fähigkeiten, beispielsweise zu einer literarischen Verfilmung kritisch Stellung zu beziehen oder „gehörte und gesehene Informationen in ihrem Zusammenspiel und in ihrer Wirkung [zu] verstehen (genre, mise en scene, Montage)“, stehen ebenfalls in Verbindung mit der Medienbildung (S. 60).


Auch der medienbildnerische Bereich der „Produktion und Präsentation“ wird in Klasse 11/12 vertieft: Merkmale und Stilmittel von Textsorten zu identifizieren „und diese bei der eigenen Textproduktion funktional ein[zu]setzen“, sind ebenso zwei Fähigkeiten, die zur „Text- und Medienkompetenz“ zählen (S. 60).


Weiterer wichtiger Bestandteil des Englischunterrichts der Klassen 11 und 12 ist die Internetrecherche („Information und Wissen“): Dazu gehört sowohl die Fähigkeit, „Informationen aus dem Internet und anderen englischsprachigen Quellen selbstständig und aufgabengerecht [zu] nutzen“ als auch „die Zuverlässigkeit der Quellen sowie die Urheberrechte [zu] beachten“ (S. 60). Empfehlenswert ist es, Anforderungen und Vorgehensweisen dazu jahrgangsstufen- und fächerübergreifend abzusprechen und einheitliche Standards für die gesamte Kursstufe zu schaffen, gerade auch in Hinblick auf die Präsentationsprüfungen zum Abitur oder die gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen (GFS).


Insgesamt zeigt sich im Bildungsplan 2016 für das Fach Englisch also, dass die Medienbildung entscheidender Teil des Englischlernens ist, die individuelles, lebenslanges Fremdsprachenlernen unterstützt.

Ausgewählte Praxisbeispiele

Landesbildungsserver: EGO – English Grammar Online

Englisch, Klasse: 5–10, Sek I/Gym: Interaktive Übungen zu irregular verbs, verbs and tenses, modal auxiliaries und vielen weiteren Grammatikthemen finden sich bei „EGO - English Grammar Online“.weiterlesen

Filmbildung im Englischunterricht: Augen für alles (Private Eyes)

Englisch, Klasse 5–6, Sek I/Gym: Der schön gemachte Animationsfilm über den blinden Mathieu führt Sehende durch den Alltag eines Blinden. Der Film eignet sich zur Vertiefung von Landeskunde und Grammatik. Leihmöglichkeit: DVD-Video (Nr. 4670151) in der LMZ-Medienrecherche. weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis