Deutsch – Sekundarstufe I – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Deutsch in der Sekundarstufe I vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Der Deutschunterricht der Real- und Hauptschulen hat in Hinblick auf die Integration der Medienbildung bereits mit dem Bildungsplan 2004 gute Vorarbeit geleistet. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ der Hauptschule wird die „Medienerziehung“ explizit thematisiert: Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Medien selbstbestimmt und kreativ, jedoch auch kritisch auseinander und lernen elektronische Medien als Informations-, Kommunikations-, Lern- und Ausdrucksmittel kennen (BP 2012, WRS, Deutsch, S. 45). Im Bildungsplan der Realschule betrachten die Schülerinnen und Schüler unter „Medienkompetenz“ die Medienwelt kritisch, lernen die Wirkungsweise der Medien kennen und können diese selbstverantwortlich nutzen (BP 2004, RS, Deutsch, S. 49). Außerdem wird die Medienbildung auch unter „Kompetenzen und Inhalte“ verstärkt als Bestandteil des Deutschunterrichts thematisiert.

 

Der Deutschunterricht hat folglich die Medienbildung bereits 2004 grundlegend im Unterricht verankert; eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg ist also für den Deutschunterricht vergleichsweise leicht umzusetzen.

Medienkompetenz und Medienbildung im Deutschunterricht ab 2016

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Der Bildungsplan 2016 räumt der Medienbildung in den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ der Sekundarstufe I eine zentrale Rolle ein: Der Deutschunterricht hilft den Schülerinnen und Schülern, „im Umgang […] mit Sachtexten und anderen Medien, sich in einer technisch-medial beschleunigten und zunehmend komplexen Lebenswelt zu orientieren und mit den Anforderungen und Möglichkeiten der modernen Informationsgesellschaft umgehen zu können“ (BP 2016, Sek I, Deutsch, S. 3).

 

Die Leitperspektive Medienbildung ist „von großer Bedeutung und im Bildungsplan Deutsch repräsentativ verankert“ (S. 4). Vielerlei Standards weisen einen Bezug zur Medienbildung und Medienkompetenz „als Schlüsselqualifikation einer multimedial geprägten Gesellschaft“ (S. 4) auf. Der Deutschunterricht trägt hierdurch entscheidend dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler „ein reflektiertes, selbstbestimmtes und verantwortungsbewusstes Verbraucherverhalten“ entwickeln (S. 5).

 

„Medienbildung“ wird im Deutschunterricht nicht allein in Hinblick auf die „Leitperspektive Medienbildung“ gefordert, sondern spielt auch im Zusammenhang mit anderen Leitperspektiven, zum Beispiel der „Verbraucherbildung“, eine entscheidende Rolle. Vor allem der Bereich der „Mediengesellschaft und -analyse“ wird hier fokussiert, wenn der Deutschunterricht ein Bewusstsein dafür schafft, dass Medien Konsumwünsche vermitteln und „in großem Maße das Konsumverhalten der Schülerinnen und Schüler [definieren]“ (S. 5).

 

Unter dem Kompetenzbereich „Medien“ wird der Deutschunterricht dem Umstand gerecht, dass Medien heutzutage ein zentraler Bestandteil der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen sind, „der ihr Selbst- und Weltverhältnis und damit ihre Identität bestimmt“ (S. 8). Der Deutschunterricht stellt sich der Herausforderung, die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler weiterzuentwickeln und sie auf einen reflektierten Umgang mit den unterschiedlichsten Medienformaten vorzubereiten. Hierbei lernen die Schülerinnen und Schüler die „kommunikativen, produktiven und kreativen Möglichkeiten medialer Angebote“, jedoch auch die „manipulative Kraft von Medien und deren Auswirkungen“ (S. 8) kennen.

 

Primäre Aufgabe des Deutschunterrichts ist es hierbei, den Schülerinnen und Schülern das methodische Rüstzeug, die Strategien und Arbeitstechniken zu vermitteln, um Texte unterschiedlicher medialer Form zu verstehen, zu gebrauchen, zu analysieren, zu interpretieren, aber auch zu problematisieren. Zusätzlich lernen sie, die aus den unterschiedlichen Medien gewonnenen Informationen zielgerichtet und kritisch zu prüfen. Eine Förderung der Medienkompetenz bewirkt des Weiteren auch eine Förderung der Lesekompetenz, indem die Schülerinnen und Schüler visuelle, audiovisuelle und auditive Texte im Sinne eines erweiterten Textbegriffs in ihrer ästhetischen Gestaltung wahrnehmen (S. 9).

 

Der Einsatz digitaler Medien trägt insgesamt zu einem integrativen und methodisch-didaktisch abwechslungsreichen Deutschunterricht bei – didaktische Anforderungen, die der neue Bildungsplan an das Fach Deutsch stellt. Digitale Medien eröffnen hierbei neue Möglichkeiten handlungs- und produktionsorientierter Zugänge, indem zum Beispiel ein Kurzfilm gedreht oder ein Hörspiel aufgenommen wird. Außerdem begünstigen sie individuelles Lernen und tragen zur Differenzierung bei, indem ein jeder seinem Lerntempo gemäß die Unterrichtsinhalte zum Beispiel mittels einer Lernplattform erarbeiten kann.

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

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In allen prozessbezogenen Kompetenzen des Deutschunterrichts – (I) „Sprechen und Zuhören“, (II) „Schreiben“ und (III) „Lesen“ – ist Medienbildung berücksichtigt.

 

Wird im Deutschunterricht (I) „Sprechen und Zuhören“ gefördert, sollen die Schülerinnen und Schüler auch Sachverhalte und Argumentationen „mediengestützt präsentieren“ (S. 12). Hierfür setzen sie verschiedene Medien ein, wie zum Beispiel Plakate, Folien oder Präsentationsprogramme.

 

Für den Bereich (II) „Schreiben“ verwenden die Schülerinnen und Schüler geeignete Schreibmedien und trainieren insgesamt ihre Recherche- und Informationskompetenz: Sie können bei der Planung von Texten Informationsquellen gezielt nutzen wie zum Beispiel Bibliotheken, Nachschlagewerke oder das Internet, Informationen zielgerichtet bewerten und auswählen (S. 14). Die Produktions- und Präsentationsfähigkeit wird ebenfalls trainiert, indem sie bei der Formulierung von Texten auch Textverarbeitungs- und Präsentationsprogramme einsetzen (S. 14).

 

Die Mediengesellschaft lernen die Schülerinnen und Schüler kritisch zu hinterfragen, indem sie unter (III) Lesen auch den medialen Kontext berücksichtigen, um diesen entsprechend verstehen zu können (S. 16). Der erweiterte Textbegriff sorgt des Weiteren dafür, dass Texte unterschiedlichster medialer Gestaltung – visuell, audiovisuell und auditiv – neben den gedruckten Texten zum Gegenstand des Deutschunterrichts werden und die Lesefähigkeit der Schülerinnen und Schüler für die unterschiedlichsten medialen Darstellungsformen trainiert wird.

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Die inhaltsbezogenen Kompetenzen des Deutschunterrichts folgen mit der Unterteilung in „Texte und Medien“ und „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“ im Kern der traditionellen Zweiteilung in sprach- und literaturwissenschaftliche Inhalte.

 

Im Bildungsplan 2004 war der „Umgang mit Medien“ als Unterpunkt von „Lesen/Umgang mit Texten und Medien“ verankert. Im Bildungsplan 2016 wird der Medienbildung zum einen durch die Gleichsetzung mit „Texten und Medien“ zusätzlich Gewicht verliehen, zum anderen durch die weitere Untergliederung von „Texten und Medien“ in „Literarische Texte“, „Sach- und Gebrauchstexte“ und – explizit als eigener Punkt ausgewiesen – „Medien“.

 

Die Kompetenzen der Sekundarstufe I werden in drei Stufen abgebildet: im grundlegenden, mittleren und erweiterten Niveau. Das erweiterte Niveau entspricht in der Regel den gymnasialen Kompetenzen. Für die folgende Beschreibung der medienbildnerischen Kompetenzen wird vom mittleren Niveau ausgegangen. An geeigneten Stellen wird exemplarisch auf die Unterschiede zwischen den jeweiligen Niveaustufen hingewiesen.

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Zahlreiche Praxisvorschläge für das Fach Deutsch in der Sekundarstufe I finden Sie in unserer Pädagogischen Praxis.

Klassen 5/6

Der Deutschunterricht der Sekundarstufe I trägt bereits in der Orientierungsstufe entscheidend dazu bei, die Leitperspektive Medienbildung fächerintegrativ zu verankern. Insbesondere die mediale Informations-, Produktions- und Präsentationskompetenz ist wie selbstverständlich in den Deutschunterricht integriert und in vielerlei Kontexten angeführt.

 

Aber auch die Auseinandersetzung mit unserer heutigen Mediengesellschaft und die Analyse der vielfältigen Medienlandschaft werden entsprechend berücksichtigt, ebenso wie zentrale Aspekte des Jugendmedienschutzes. Hierzu zählen zum Beispiel der verantwortungsbewusste Umgang mit persönlichen Daten oder die Beachtung des Urheberrechtes.

 

Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“

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Neben der Informations- und Präsentationskompetenz, die unter dem inhaltsbezogenen Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“ in Klasse 5 und 6 zum Beispiel bei der Interpretation von Texten, speziell auch bei Sach- und Gebrauchstexten trainiert wird, spielt die Medienanalyse ebenfalls eine entscheidende Rolle. Die Schülerinnen und Schüler können zum Beispiel die Funktion von Sachtexten, d.h. Information oder Werbung, unterscheiden. Auf dem grundlegenden Niveau erfolgt dies noch unter Anleitung, auf dem erweiterten Niveau kommt als weitere Funktion der Instruktionscharakter von Sachtexten hinzu. Ebenso setzen sich die Schülerinnen und Schüler auf dieser Niveaustufe mit der Wirkungsabsicht formaler Merkmale eines Textes auseinander, wie zum Beispiel „Überschriften, Wortwahl [oder] Abbildungen" (S. 24).

 

Einen umfassenden Beitrag zur Leitperspektive Medienbildung leistet das Unterkapitel „Medien“ im Deutschunterricht. Nicht allein das Lernen mit Medien wird dem Einleitungstext zufolge berücksichtigt, sondern auch das Lernen über Medien, wenn sich die Schülerinnen und Schüler zum einen der Medienwelt in ihrer Vielfalt bewusst werden und zum anderen lernen, aus den vielfältigen Medienangeboten ihren Zielen und Bedürfnissen entsprechend kritisch auszuwählen. Sie können außerdem altersgemäße audiovisuelle Texte beschreiben, analysieren sowie reflektieren und selbst Medien (auch projektorientiert) zur Gestaltung eigener Texte in unterschiedlicher medialer Form verwenden (S. 26-30).

 

Das Kapitel „Medien“ gliedert sich – einheitlich über alle Klassenstufen – in folgende Bereiche der Medienbildung:

  • (I)    Medien kennen und nutzen,
  • (II)   Medien gestalten,
  • (III)  Medien verstehen,
  • (IV)  Medien problematisieren.

Im Sinne eines spiralcurricularen Aufbaus werden diese Kompetenzen in den weiterführenden Stufen vertieft und ausgebaut.

 

(I)    Medien kennen und nutzen

Die Schülerinnen und Schüler können die verschiedenen Medien in Hinblick auf ihre Darbietungsform und Kommunikationsfunktion beschreiben, wie zum Beispiel Suchmaschinen, digitale Plattformen, soziale Netzwerke, Print-, Hör- und audiovisuelle Medien.

Daneben können sie Print- und digitale Medien gezielt nutzen und überlegt gebrauchen: Sie wählen ihren Bedürfnissen entsprechend – zum Beispiel Kommunikation, Unterhaltung, Information – aus und können sich Informationen aus Print- und digitalen Medien beschaffen, indem sie einfache Suchstrategien und Hilfsmittel einsetzen. Als Erleichterung bei der Informationsrecherche kann der Lehrer auf dem grundlegenden Niveau vorher Suchpfade für die Schülerinnen und Schüler auswählen, auf dem mittleren Niveau Informationspfade. Auch zur Dokumentation ihres eigenen Lernweges, zum Beispiel in Form eines Lernwegetagebuchs, können sie Medien einsetzen.

 

(II)    Medien gestalten

Ein weiterer zentraler Aspekt ist das Gestalten von linearen und nichtlinearen Texten mit Hilfe geeigneter Textverarbeitungsprogramme. Die Schülerinnen und Schüler lernen, eigene Beiträge in medialen Kommunikationssituationen adressaten- und situationsbezogen und – auf dem mittleren und erweiterten Niveau – dem jeweiligen Medium entsprechend zu verfassen. Indem die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel zu einem Gedicht eine Bildergeschichte entwerfen oder ein Comic gestalten, lernen sie außerdem, wie sie aus einer Vorlage ein Text-Bild-Kommunikat erstellen.

 

(III)    Medien verstehen

Um Medien zu verstehen, setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Unterschieden der eigenen Lebenswirklichkeit und der Darstellung fiktionaler Welten in Medien auseinander und können diese unterscheiden. Hierfür beschreiben sie zum Beispiel Bilder in Grundzügen und vergleichen auf dem erweiterten Niveau eigene Bildvorstellungen mit audiovisuellen Gestaltungen.

 

Der Deutschunterricht trägt in diesem Zusammenhang auch entscheidend zur Filmbildung bei: Die Schülerinnen und Schüler können den Inhalt von Filmen wiedergeben und – auf dem erweiterten Niveau – altersgemäße Gestaltungsmittel in Filmen beschreiben und deren Wirkung erläutern, wie zum Beispiel Nahaufnahme, Totale, Frosch- und Vogelperspektive. Auch Hörspiele oder Theaterinszenierungen werden im Deutschunterricht der Orientierungsstufe behandelt, indem die Schülerinnen und Schüler ihren ersten Gesamteindruck beschreiben und – auf dem erweiterten Niveau – einfache Gestaltungsmittel einer Theaterinszenierung benennen.

(IV)    Medien problematisieren

Grundlegende Aspekte des Jugendmedienschutzes werden im Deutschunterricht unter „Medien problematisieren“ in den Blick genommen: Die Schülerinnen und Schüler setzen sich – auf grundlegendem und erweitertem Niveau mit Unterstützung – mit möglichen Gefahren der Mediennutzung auseinander und lernen angemessene Präventionsstrategien und Reaktionen kennen. Hierfür beschreiben sie u.a. ihren eigenen Umgang mit Medien in ihrem Alltag und setzen sich damit auseinander. Im Umgang mit Medien berücksichtigen sie – mit wachsender Stufe zunehmend selbstständig – Urheberrecht und Datenschutz und prüfen Informationen auf erweitertem Niveau in Hinblick auf ihre Zuverlässigkeit.

 

Kompetenzbereich „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“

 

Im Kompetenzbereich „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“ – hierunter verbirgt sich zu einem Großteil der traditionelle Grammatikunterricht – ist Medienbildung auch im Bildungsplan 2016 nur in Ansätzen verankert. Ein Aspekt ist die Nutzung der „Rechtschreibhilfe am Computer bei der Erstellung eigener Texte". (S. 36) Hierbei erfahren die Schülerinnen und Schüler, die sich auf dem grundlegenden oder mittleren Niveau befinden, noch verstärkt Unterstützung, wohingegen auf dem erweiterten Niveau die Anwendung selbständig erfolgt .

 

Um sprachliche Äußerungen funktional zu gestalten, wenden die Schülerinnen und Schüler auf dem grundlegenden Niveau elementare, auf dem mittleren Niveau geeignete Vortragstechniken und auf dem erweiterten Niveau grundlegende Vortrags- und Präsentationstechniken adressatengerecht und zielführend an. Hierzu gehört ebenfalls, „nach Kriterien Feedback zu Präsentationen zu formulieren" (S. 39), wobei die Kriterien in Abhängigkeit von der Niveaustufe mit mehr oder weniger Unterstützung von den Schülerinnen und Schülern erarbeitet werden.

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Klassen 7/8/9

Der Deutschunterricht der Klassen 7/8/9 knüpft nahtlos an die medienbildnerischen Kompetenzen an, die die Schülerinnen und Schüler in der Orientierungsstufe erworben haben. Vor allem die Mediengesellschaft und -analyse rücken hierbei – der zunehmenden Reflexionsfähigkeit der Jugendlichen entsprechend – immer mehr ins Zentrum der Leitperspektive Medienbildung.

 

Aber auch die Bereiche der Medienbildung, die eher dem Lernen mit Medien zugeordnet werden können, werden im Sinne eines spiralcurricularen Aufbaus weiter vertieft.

 

Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“

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In den Klassen 7/8/9 bauen die Schülerinnen und Schüler unter dem Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“ (ab S. 40) ihre Informations- und Präsentationskompetenz, aber auch die Fähigkeit, Medien zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, weiter aus, indem sie sich zum Beispiel bei der Analyse von Texten mit Werbetexten und ihrer Funktion auseinandersetzen. Sollen Texte kontextualisiert werden, vergleichen die Schülerinnen und Schüler hierfür auf dem erweiterten Niveau die unterschiedlichen medialen Formen von Texten oder beziehen das jeweilige Publikationsmedium bei ihrer Textbewertung mit ein.

 

Die Einleitung zum Kapitel „Medien“ für die Klassen 7/8/9 macht deutlich, dass beide Bestandteile der Medienbildung, das Lernen mit und über Medien, im Deutschunterricht berücksichtigt werden: Die Schülerinnen und Schüler erweitern „ihr Wissen über Formate, Funktionen und Gestaltungsmöglichkeiten von Medien“, entwickeln „ein Bewusstsein für die institutionellen und kommunikativen Dimensionen von Medien“ und setzen sich mit ihrem eigenen Mediengebrauch kritisch auseinander. Um das Lernen mit Medien zu vertiefen, gestalten sie eigene audiovisuelle Texte „sachgerecht, funktional und kreativ“ (S. 51).

 

Im Sinne des spiralcurricularen Aufbaus ist das Kapitel „Medien“ analog zu den Klassen 5 und 6 gegliedert; die Kompetenzen werden hierbei weiter vertieft.

 

(I)    Medien kennen und nutzen

Die Schülerinnen und Schüler lernen Medien auf einem höheren Reflexionsniveau kennen, indem sie Medien in Bezug auf ihre Darbietungsform und Kommunikationsfunktion beschreiben, wie zum Beispiel Hörmedien, visuelle und audiovisuelle Medien, Printmedien, digitale Plattformen oder soziale Netzwerke. Sie begegnen Medien als Mittel der Information, Kommunikation und Unterhaltung – auf erweitertem Niveau auch als Werbemittel. Sie setzen sich auf erweitertem Niveau auch mit der Mediengeschichte auseinander und erfahren, wie Informationen „vor der Erfindung des Buchdrucks [verbreitet wurden und welche] Reichweite mittelalterliche Medien" damals hatten (S. 51).

 

Auch die Informationskompetenz wird geschult: Unter Verwendung von (komplexeren) Suchstrategien und Hilfsmitteln und Methoden der Texterschließung können die Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen medialen Quellen Informationen gewinnen und diese – auf erweitertem Niveau – kriterienorientiert bewerten. Sie lernen darüber hinaus auf dem mittleren und erweiterten Niveau, Medien zur Unterstützung des eigenen Lernprozesses einzusetzen, indem sie zum Beispiel ihren eigenen Lernweg mittels eines „Lernwegeportfolio[s]" (S. 52) dokumentieren.

 

(II)    Medien gestalten

Mithilfe geeigneter Medien oder Programme, wie zum Beispiel Textverarbeitungs- oder Präsentationsprogramme, gestalten die Schülerinnen und Schüler lineare und nichtlineare Texte. Auf erweitertem Niveau können sie ihre Gestaltungsentscheidung zusätzlich erläutern. Ein Praxisbezug ist auf grundlegendem und erweitertem Niveau dadurch gegeben, dass die Schülerinnen und Schüler diese Kompetenzen auch für die Erstellung von Bewerbungen nutzen. In medialen Kommunikationssituationen, zum Beispiel im Blog oder Chat, können sie außerdem ihre Beiträge adressaten- und situationsbezogen und – auf dem erweiterten Niveau – dem jeweiligen Medium entsprechend formulieren (S. 52).

 

Auch aktive Medienarbeit ist unter „Gestalten“ berücksichtigt: Die Schülerinnen und Schüler werden kreativ-produktiv tätig, indem sie literarische Vorlagen zum Beispiel in eine Fotostory oder ein Hörspiel übertragen. Auf dem mittleren und erweiterten Niveau setzen sie sich noch mit der Wirkung ihrer Gestaltungsentscheidung auseinander (S. 53).

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(III)    Medien verstehen

Um die Medienlandschaft zu verstehen, lernen die Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht, ihre Lebenswirklichkeit von fiktionalen Welten, die ihnen durch die Medien vermittelt werden, zu unterscheiden. Auf erweitertem Niveau können sie zusätzlich Wechselwirkungen zwischen Virtualität und Realität beschreiben. Sie können den Gesamteindruck eines Films, Hörspiels oder – auf erweitertem Niveau – eines Bildes oder einer Theaterinszenierung beschreiben und begründen. Indem sie zum Beispiel Werbetexte und -filme untersuchen, erkennen sie auf dem mittleren und erweiterten Niveau Zusammenhänge zwischen Bild, Text und Ton. Sie entwickeln ebenfalls auf dem erweiterten Niveau eigene Bildvorstellungen und vergleichen diese mit (audio-)visuellen Gestaltungen (S. 53).

 

Die Filmbildung wird unter diesem Teilaspekt des Deutschunterrichts besonders fokussiert: Die Schülerinnen und Schüler können die Handlung von Filmen und die Wirkung von Darstellungs- und Gestaltungsmitteln beschreiben. Auf dem erweiterten Niveau verwenden sie hierfür filmische und erzähltechnische Fachbegriffe, wie zum Beispiel Rückblende, Rahmen- und Binnenhandlung, und filmische Gestaltungsmittel, wie zum Beispiel unterschiedliche Kameraeinstellungen, Ausleuchtungen, Ton etc. (S. 54).

 

Auf dem mittleren und erweiterten Niveau setzen sich die Schülerinnen und Schüler auch mit Literaturverfilmungen auseinander, indem sie diese zum Beispiel mit der Textvorlage vergleichen. Auf dem erweiterten Niveau können sie zusätzlich Gestaltungsmittel einer Theaterinszenierung benennen und deren Wirkung exemplarisch analysieren (S. 54).

 

(IV)    Medien problematisieren

Unter „Problematisieren“ finden sich analog zur Klassenstufe 5 und 6 auch in den Klassen 7/8/9 zahlreiche Aspekte des Jugendmedienschutzes: Der Deutschunterricht soll die Schülerinnen und Schüler dazu anregen, mögliche Gefahren der Mediennutzung zu erkennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, sodass sie in ihrem Alltag angemessen und präventiv reagieren können. Ein wichtiger Schritt hierfür ist, dass sich die Jugendlichen zunächst ihrer eigenen Mediennutzung bewusst werden und diese kritisch hinterfragen. Für den Unterricht kann dies exemplarisch an Themen wie Cybermobbing oder durch Medien beeinflusstes Konsumverhalten erarbeitet werden. Auf dem mittleren und erweiterten Niveau prüfen die Schülerinnen und Schüler zusätzlich, wie glaubwürdig und zuverlässig die aus den Medien gewonnenen Informationen sind (S. 55).

 

Urheberrecht und Datenschutz beim Umgang mit den Medien zu berücksichtigen, wird ein immer wichtigeres Thema, dem sich auch der Deutschunterricht laut Bildungsplan 2016 widmen soll. Mediale Quellen in Hinblick auf ihre Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit zu prüfen, soll desgleichen als Kernkompetenz vertieft werden (S. 55).

 

Kompetenzbereich „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“

 

In Hinblick auf „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“ ist Medienbildung für die Klassen 7/8/9 ebenfalls nur in Ansätzen verankert. Ein Aspekt ist der reflektierte Umgang mit digitalen Rechtschreibhilfen auf mittlerem und erweitertem Niveau (S. 56).

 

Um sprachliche Äußerungen funktional zu gestalten, wird auch die Kenntnis von unterschiedlichen „Vortragstechniken" angeführt. Auf mittlerem und erweitertem Niveau wenden die Schülerinnen und Schüler zusätzlich Präsentationstechniken adressatengerecht, zielführend und – auf erweitertem Niveau – begründet ein. Hierzu gehört ebenfalls, „kriterienorientiert[es] Feedback zu Präsentationen [zu] formulieren" und dieses auf einer höheren Niveaustufe aktiv einzuholen (S. 65).

 

Unter „Sprache und Identität“ untersuchen die Schülerinnen und Schüler auf dem erweiterten Niveau zum Beispiel anhand von Werbung, welche Formen der Überredung und Überzeugung eingesetzt werden, um den Konsumenten zu instrumentalisieren (S. 65 f.).

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Klasse 10

In der Klasse 10 bauen die Schülerinnen und Schüler ihre medienbildnerischen Kompetenzen weiter aus. Im Fokus steht dem Alter entsprechend die Analyse und Reflexion der Medienlandschaft.

 

Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“

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Zur Vorbereitung auf den mittleren Schulabschluss vertiefen die Schülerinnen und Schüler unter dem Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“ ihre Informations- und Präsentationskompetenz, aber auch die Fähigkeit, Medien zu analysieren und kritisch zu hinterfragen. Aufgrund des erweiterten Textbegriffs werden Texte unterschiedlichster medialer Gestaltung, zum Beispiel Werbetexte, erschlossen, analysiert, kontextualisiert und bewertet. Nichtlineare Texte können die Schülerinnen und Schüler zudem auswerten und in andere (nicht)lineare Texte umwandeln (ab S. 67).

 

Die Einleitung zum Unterkapitel „Medien“ (ab S. 78) betont die zunehmende Sicherheit und Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler beim Umgang und bei der Nutzung der verschiedenen Medienformate und -angebote. Die in den vorherigen Klassenstufen erworbenen Kompetenzen werden vertieft und zunehmend selbstständig angewendet.

 

(I)    Medien kennen und nutzen

Im Zentrum der Klasse 10 steht die Beschreibung, die Analyse, der Vergleich und die Bewertung verschiedener Printmedien und digitaler Medien, zum Beispiel anhand eines Vergleichs von Print-Zeitungen mit Online-Zeitungen. Auch die Funktionen und – auf erweitertem Niveau – die Wirkungsabsichten von Medien, wie zum Beispiel Information, Kommunikation, Unterhaltung, Meinungsbildung, Manipulation oder politische Kontrollfunktion, werden eingehend analysiert und bewertet. Auf dem erweiterten Niveau setzen sich die Schülerinnen und Schüler auch mit Layout-Elementen in Printmedien und verwandten digitalen Medien auseinander und reflektieren ihre Funktion und Wirkung. Unter dem Aspekt der Mediengeschichte hinterfragen die Schülerinnen und Schüler, ebenfalls auf dem erweiterten Niveau, die fortschreitende Digitalisierung unserer Gesellschaft als zentralen Aspekt der Mediengeschichte kritisch.

 

Die Schülerinnen und Schüler können des Weiteren verschiedene mediale Quellen zum Beispiel für Recherchezwecke nutzen. Sie setzen (komplexere) Suchstrategien, Hilfsmittel und Methoden der Texterschließung ein, um Informationen zu gewinnen und zu bewerten. Der Hypertext wird auf dem mittleren und erweiterten Niveau als neues Mittel eingesetzt, um den eigenen Lernweg zu dokumentieren.

 

(II)    Medien gestalten

Die Schülerinnen und Schüler gestalten (nicht)lineare Texte mithilfe geeigneter Medien oder Programme, formulieren eigene Beiträge adressaten- und situationsbezogen und – auf dem erweiterten Niveau – dem jeweiligen Medium entsprechend. Sie können eine Vorlage medial umformen, indem sie auf dem grundlegenden Niveau zum Beispiel eine literarische Vorlage in einen Musikclip umformen, auf dem mittleren Niveau in ein Drehbuch oder einen audiovisuellen Text und auf dem erweiterten Niveau zum Beispiel eine Kurzgeschichte in einen Kurzfilm oder einen Zeitungstext in eine Online-Version. Auf dem erweiterten Niveau reflektieren sie zusätzlich noch die Wirkung ihrer Gestaltungsentscheidungen, zum Beispiel in einem Unterrichtsgespräch.

 

(III)    Medien verstehen

Um Medien zu verstehen, nähern sich die Schülerinnen und Schüler in der Klasse 10 auf einem höheren Reflexionsniveau der Medienanalyse an. Sie können den Gesamteindruck eines Films, Hörspiels oder einer Theaterinszenierung erläutern und die zentralen Inhalte auf dem mittleren und erweiterten Niveau zusammenfassen und wiedergeben. Sie können auf diesen Niveaustufen auch die Handlungsstruktur mit Hilfe filmischer und auf erweitertem Niveau erzähltechnischer Fachbegriffe erläutern, Kriterien einer Filmanalyse erarbeiten und ein Filmprotokoll zu einer kurzen Szene erstellen. Sie analysieren altersgemäße audiovisuelle Texte oder eine Literaturverfilmung, indem sie sie mit der Textvorlage vergleichen. Ebenso kennen sie auf der erweiterten Niveaustufe Kriterien, um Theaterinszenierungen zu beschreiben und zu untersuchen.

 

(IV)    Medien problematisieren

Die Schülerinnen und Schüler reflektieren ihren eigenen Umgang mit Medien und kennen mögliche Gefahren, die sich bei der Mediennutzung ergeben können. Indem sie zum Beispiel eine Nachricht in unterschiedlichen Medienformaten vergleichen, prüfen sie Medien in Bezug auf ihre Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit. Sie können auf dem erweiterten Niveau den Begriff der Pressefreiheit erläutern. Beim Umgang mit Medien berücksichtigen sie stets Urheberrecht und Datenschutz. Auf dem mittleren und erweiterten Niveau setzen sie sich vertieft mit den Gefahren der Mediennutzung, zum Beispiel der Datensicherheit in Netzwerken oder der personalisierten Werbung, auseinander.

 

Kompetenzbereich „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“

 

In Hinblick auf „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“ ist Medienbildung für die Klasse 10 ebenfalls nur in Ansätzen verankert. Ein Aspekt ist – auf erweitertem Niveau – der reflektierte Umgang mit digitalen „Rechtschreibhilfen" (S. 89).

 

Um sprachliche Äußerungen funktional zu gestalten, wird auch die Kenntnis von unterschiedlichen Vortragstechniken angeführt. Auf mittlerem und erweitertem Niveau wenden die Schülerinnen und Schüler zusätzlich Präsentationstechniken reflektiert und – auf erweitertem Niveau – zielführend an. Hierzu gehört ebenfalls, kriterienorientiertes Feedback zu Präsentationen zu formulieren und zu den Rückmeldungen Stellung zu nehmen (S. 90).

 

Unter „Sprache und Identität“ setzen sich die Schülerinnen und Schüler auf dem erweiterten Niveau bei der Medienanalyse auch mit Formen und Strategien der Manipulation und Persuasion auseinander, indem sie zum Beispiel unterschiedliche Reden in Hinblick auf ihre rhetorischen Techniken und Strategien untersuchen oder die Funktionsweise und Intention verschiedener Werbeformate kritisch hinterfragen (S. 93).

 

Insgesamt hat der Deutschunterricht in den neuen Bildungsplänen die Leitperspektive Medienbildung im Bereich der Sekundarstufe I umfassend verankert und trägt den verschiedensten Bereichen der Medienbildung Rechnung.

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Filmbildung im Deutschunterricht: The Present

Deutsch, Klasse 5–6, Sek I/Gym: Der Animationsfilm eignet sich für die Thematisierung der Figurenbeziehung und Bildsprache im Film und kann darüber hinaus zur Thematisierung von Behinderung, Tierliebe und Freizeitaktivitäten dienen. weiterlesen

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