Deutsch – Gymnasium – Bildungsplan 2016

Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Deutsch im Gymnasium vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf den Bildungsplan 2004 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Der gymnasiale Deutschunterricht hat in Hinblick auf die Integration der Medienbildung bereits mit dem Bildungsplan 2004 gute Vorarbeit geleistet. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird die „Medienkompetenz“ als eigene Kompetenz aufgeführt: Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Medien sowohl analytisch als auch produktiv auseinander und lernen, ihre „Wirkung“ und ihren „Einfluss kritisch einzuschätzen“ und sozial verantwortlich mit ihnen umzugehen (BP 2004, Gym, Deutsch, S. 77). Außerdem wird die Medienbildung auch unter „Kompetenzen und Inhalte“ verstärkt als Bestandteil des Deutschunterrichts thematisiert.

 

Der Deutschunterricht hat somit die Medienbildung bereits 2004 grundlegend im Unterricht verankert; eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg ist also für den Deutschunterricht vergleichsweise leicht umzusetzen.

Medienkompetenz und Medienbildung im Deutschunterricht ab 2016

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Der Bildungsplan 2016 räumt der Medienbildung in den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ eine zentrale Rolle ein: Der gymnasiale Deutschunterricht hilft den Schülerinnen und Schülern, „im Umgang […] mit Sachtexten und anderen Medien, sich in einer technisch-medial beschleunigten und zunehmend komplexen Lebenswelt zu orientieren und mit den Anforderungen und Möglichkeiten der modernen Informationsgesellschaft umgehen zu können“ (BP 2016, Gym, Deutsch, S. 3).

 

Die Leitperspektive Medienbildung ist im Bildungsplan Deutsch „repräsentativ verankert“ (S. 3). Vielerlei Standards weisen einen Bezug zur Medienbildung und Medienkompetenz „als Schlüsselqualifikation in einer multimedial geprägten Gesellschaft“ (S. 6) auf. Der Deutschunterricht trägt hierdurch entscheidend dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler „zu einem selbstbestimmten, verantwortungsbewussten und selbstregulativen Mediengebrauch finden“ (S. 4).

 

„Medienbildung“ wird im Deutschunterricht nicht allein in Hinblick auf die „Leitperspektive Medienbildung“ gefordert, sondern spielt auch im Zusammenhang mit anderen Leitperspektiven, zum Beispiel der „Verbraucherbildung“, eine entscheidende Rolle. Vor allem der Bereich der „Mediengesellschaft und -analyse“ wird hier fokussiert, wenn der Deutschunterricht ein Bewusstsein dafür schafft, dass Medien Konsumwünsche vermitteln und „in großem Maße das Konsumverhalten der Schülerinnen und Schüler [definieren]“ (S. 5).

 

Unter dem Kompetenzbereich „Medien“ wird der Deutschunterricht dem Umstand gerecht, dass Medien heutzutage ein zentraler Bestandteil der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen sind, „der ihr Selbst- und Weltverhältnis und damit ihre Identität nachhaltig beeinflusst“ (S. 8). Der Deutschunterricht stellt sich der Herausforderung, die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler weiterzuentwickeln und sie auf einen reflektierten Umgang mit den unterschiedlichsten Medienformaten vorzubereiten. Hierbei lernen die Schülerinnen und Schüler die „kommunikativen, produktiven und kreativen Möglichkeiten medialer Angebote“, jedoch auch die „manipulative Kraft von Medien und deren Auswirkungen“ (S. 9) kennen.

 

Primäre Aufgabe des Deutschunterrichts ist es hierbei, den Schülerinnen und Schülern das methodische Rüstzeug, die Strategien und Arbeitstechniken zu vermitteln, um Texte unterschiedlicher medialer Form zu verstehen, zu gebrauchen, zu analysieren, zu interpretieren, aber auch zu problematisieren. Zusätzlich lernen sie, die aus den unterschiedlichen Medien gewonnenen Informationen zielgerichtet und kritisch zu prüfen. Eine Förderung der Medienkompetenz bewirkt des Weiteren auch eine Förderung der Lesekompetenz, indem die Schülerinnen und Schüler visuelle, audiovisuelle und auditive Texte im Sinne eines erweiterten Textbegriffs in ihrer „ästhetischen Gestaltung wahrnehmen" (S. 9).

 

Der Einsatz digitaler Medien trägt insgesamt zu einem integrativen und methodisch-didaktisch abwechslungsreichen Deutschunterricht bei – didaktische Anforderungen, die der neue Bildungsplan an das Fach Deutsch stellt. Digitale Medien eröffnen hierbei neue Möglichkeiten handlungs- und produktionsorientierter Zugänge, indem zum Beispiel ein Kurzfilm gedreht oder ein Hörspiel aufgenommen wird. Außerdem begünstigen sie individuelles Lernen und tragen zur Differenzierung bei, indem ein jeder seinem Lerntempo gemäß die Unterrichtsinhalte zum Beispiel mittels einer Lernplattform erarbeiten kann.

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

In allen prozessbezogenen Kompetenzen des Deutschunterrichts – (I) „Sprechen und Zuhören“, (II) „Schreiben“ und (III) „Lesen“ – ist Medienbildung berücksichtigt.

 

Wird im Deutschunterricht (I) „Sprechen und Zuhören“ gefördert, sollen die Schülerinnen und Schüler auch Sachverhalte und Argumentationen „mediengestützt präsentieren“ (S. 12).

 

Für den Bereich (II) „Schreiben“ verwenden die Schülerinnen und Schüler geeignete Schreibmedien und trainieren insgesamt ihre Recherche- und Informationskompetenz: Sie können bei der Planung von Texten Informationsquellen gezielt nutzen wie zum Beispiel Bibliotheken, Nachschlagewerke oder das Internet, Informationen exzerpieren, bewerten, auswählen und weiterverarbeiten. Die Produktions- und Präsentationsfähigkeit wird ebenfalls trainiert, indem sie bei der Formulierung von Texten auch Textverarbeitungs- und Präsentationsprogramme einsetzen können (S. 14).

 

Die Mediengesellschaft lernen die Schülerinnen und Schüler kritisch zu hinterfragen, indem sie unter (III) Lesen u.a. „Rückschlüsse aus der medialen Verbreitungsform eines Textes ziehen“ (S. 18), um diesen entsprechend verstehen zu können. Der erweiterte Textbegriff sorgt des Weiteren dafür, dass Texte unterschiedlichster medialer Gestaltung – visuell, audiovisuell und auditiv – neben den gedruckten Texten zum Gegenstand des Deutschunterrichts werden und die Lesefähigkeit der Schülerinnen und Schüler für die unterschiedlichsten medialen Darstellungsformen trainiert wird.

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Die inhaltsbezogenen Kompetenzen des Deutschunterrichts folgen mit der Unterteilung in „Texte und Medien“ und „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“ im Kern der traditionellen Zweiteilung in sprach- und literaturwissenschaftliche Inhalte.

 

Im Bildungsplan 2004 war der „Umgang mit Medien“ als Unterpunkt von „Lesen/Umgang mit Texten und Medien“ verankert. Im Bildungsplan 2016 wird der Medienbildung zum einen durch die Gleichsetzung mit „Texten und Medien“ zusätzlich Gewicht verliehen, zum anderen durch die weitere Untergliederung von „Texten und Medien“ in „Literarische Texte“, „Sach- und Gebrauchstexte“ und – explizit als eigener Punkt ausgewiesen – „Medien“.

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Zahlreiche Praxisvorschläge für das Fach Deutsch im Gymnasium finden Sie in unserer Pädagogischen Praxis.

Klassen 5/6

Der gymnasiale Deutschunterricht trägt bereits in der Orientierungsstufe entscheidend dazu bei, die Leitperspektive Medienbildung fächerintegrativ zu verankern. Insbesondere die mediale Informations-, Produktions- und Präsentationskompetenz ist wie selbstverständlich in den Deutschunterricht integriert und wird in vielerlei Kontexten aufgeführt.

 

Aber auch die Auseinandersetzung mit unserer heutigen Mediengesellschaft und die Analyse der vielfältigen Medienlandschaft werden entsprechend berücksichtigt, ebenso wie zentrale Aspekte des Jugendmedienschutzes wie zum Beispiel der verantwortungsbewusste Umgang mit persönlichen Daten oder die Beachtung des Urheberrechtes.

 

Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“

Bild: Herr Lang, Lizenz: CC BY-ND

Neben der Informations- und Präsentationskompetenz, die unter dem inhaltsbezogenen Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“ in Klasse 5 und 6 trainiert wird, spielt auch die „Medienanalyse“ eine entscheidende Rolle. Die Schülerinnen und Schüler können zum Beispiel Sachtexte nach Information, Instruktion und Werbung unterscheiden und die Wirkung von verschiedenen Gestaltungsmitteln eines Textes in Hinblick auf seine Gesamtwirkung beschreiben, erläutern und bewerten (S. 19)

 

Einen umfassenden Beitrag zur Leitperspektive Medienbildung leistet das Unterkapitel „Medien“ im Deutschunterricht. Nicht allein das Lernen mit Medien wird dem Einleitungstext zufolge berücksichtigt, sondern auch das Lernen über Medien, wenn sich die Schülerinnen und Schüler zum einen der Medienwelt in ihrer Vielfalt bewusst werden und zum anderen lernen, aus den vielfältigen Medienangeboten ihren Zielen und Bedürfnissen entsprechend kritisch auszuwählen. Sie können außerdem altersgemäße audiovisuelle Texte beschreiben, analysieren und reflektieren und selbst Medien (auch projektorientiert) zur Gestaltung eigener Texte in unterschiedlicher medialer Form verwenden (S. 24).

 

Das Kapitel „Medien“ gliedert sich – einheitlich über alle Klassenstufen – in folgende Bereiche der Medienbildung:

 

  • (I)    Medien kennen,
  • (II)   Medien nutzen,
  • (III)  Medien gestalten,
  • (IV)  Medien verstehen,
  • (V)   Medien problematisieren.


Diese Aufteilung zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht der Klassen 5 und 6 zentrale Grundlagen unterschiedlicher medienbildnerischer Kompetenzen erwerben. Im Sinne eines spiralcurricularen Aufbaus werden diese Kompetenzen in den weiterführenden Stufen vertieft und ausgebaut.


(I)    Medien kennen
Die Schülerinnen und Schüler können die verschiedenen Medienformate wie zum Beispiel Suchmaschinen, digitale Plattformen, soziale Netzwerke, Print-, Hör- und audiovisuelle Medien in Hinblick auf ihre Darbietungsform und Kommunikationsfunktion beschreiben und bewerten und grundlegende Funktionen von Medien wie zum Beispiel Information und Unterhaltung unterscheiden.

 

(II)    Medien nutzen
Daneben können die Schülerinnen und Schüler das vielfältige Medienangebot sinnvoll gebrauchen: Sie wählen ihren Bedürfnissen entsprechend – zum Beispiel Kommunikation, Unterhaltung, Information – aus und können sich Informationen aus Print- und digitalen Medien beschaffen, indem sie einfache Suchstrategien und Hilfsmittel einsetzen. Auch zur Dokumentation ihres eigenen Lernweges, zum Beispiel in Form eines Lernwegetagebuchs, können sie Medien einsetzen.

 

(III)    Medien gestalten
Ein weiterer zentraler Aspekt ist das Gestalten von linearen und nichtlinearen Texten mit Hilfe geeigneter Programme. Die Schülerinnen und Schüler lernen, eigene Beiträge in medialen Kommunikationssituationen adressatenbezogen und dem jeweiligen Medium entsprechend zu verfassen. Indem die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel zu einem Gedicht eine Bildergeschichte entwerfen oder ein Comic gestalten, lernen sie außerdem, wie sie aus einer Vorlage ein Text-Bild-Kommunikat erstellen.

 

(IV)    Medien verstehen
Um Medien zu verstehen, setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Unterschieden der eigenen Lebenswirklichkeit und der Darstellung fiktionaler Welten in Medien auseinander und können diese unterscheiden. Hierfür vergleichen sie u.a. eigene Bildvorstellungen mit audiovisuellen Gestaltungen und beschreiben Bilder in Grundzügen. Der Deutschunterricht trägt in diesem Zusammenhang auch entscheidend zur Filmbildung bei: Die Schülerinnen und Schüler können den Inhalt von Filmen wiedergeben und dabei Gestaltungsmittel erläutern. Sie beschreiben altersgemäße audiovisuelle Texte mit Hilfe von Fachbegriffen wie Nahaufnahme, Totale, Frosch- und Vogelperspektive. Auch Hörspiele untersuchen die Schülerinnen und Schüler und können hierbei ihren ersten Gesamteindruck des Hörspiels beschreiben und begründen.

 

(V)    Medien problematisieren
Grundlegende Aspekte des Jugendmedienschutzes werden im Deutschunterricht unter „Medien problematisieren“ in den Blick genommen: Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit möglichen Gefahren der Mediennutzung auseinander und lernen angemessene Präventionsstrategien und Reaktionen kennen. Hierfür werden sie sich u.a. ihres eigenen Umgangs mit Medien in ihrem Alltag bewusst und hinterfragen diesen kritisch. Im Umgang mit Medien berücksichtigen sie Urheberrecht und Datenschutz und prüfen Informationen in Hinblick auf ihre Zuverlässigkeit.

 

Kompetenzbereich „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“


Im Kompetenzbereich „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“ – hierunter verbirgt sich zu einem Großteil der traditionelle Grammatikunterricht – ist Medienbildung auch im Bildungsplan 2016 nur in Ansätzen verankert. Ein Aspekt ist die Nutzung der „Rechtschreibhilfe am Computer bei der Erstellung eigener Texte" (S. 27).

 

Um sprachliche Äußerungen funktional zu gestalten, wird die Kenntnis von unterschiedlichen Vortrags- und Präsentationstechniken, die adressatengerecht und zielführend eingesetzt werden sollen, als zu erlangende Kompetenz angeführt. Hierzu gehört ebenfalls, kriterienorientiertes Feedback zu Präsentationen formulieren und selbst erhaltenes Feedback nutzen zu können (S. 30).

Klassen 7/8

Der Deutschunterricht der Klassen 7 und 8 knüpft nahtlos an die medienbildnerischen Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler in der Orientierungsstufe erworben haben, an. Vor allem die „Mediengesellschaft und -analyse“ rücken hierbei – der zunehmenden Reflexionsfähigkeit der Jugendlichen entsprechend – immer mehr ins Zentrum der Leitperspektive Medienbildung.

 

Aber auch die Bereiche der Medienbildung, die eher dem Lernen mit Medien zugeordnet werden können, werden im Sinne eines spiralcurricularen Aufbaus weiter vertieft.

 

Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

In den Klassen 7 und 8 bauen die Schülerinnen und Schüler unter dem Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“ ihre Informations- und Präsentationskompetenz, aber auch die Fähigkeit, Medien zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, weiter aus, indem sie sich zum Beispiel bei der Analyse von Texten mit Werbetexten und ihrer Funktion auseinandersetzen. Sollen Texte kontextualisiert werden, bietet sich u.a. ein Vergleich der unterschiedlichen medialen Form von Texten an oder die Betrachtung des jeweiligen Publikationsmediums (ab S. 32).

 

Die Einleitung zum Unterkapitel „Medien“ für die Klassen 7 und 8 macht deutlich, dass beide Bestandteile der Medienbildung, das Lernen mit und über Medien, im Deutschunterricht berücksichtigt werden: Die Schülerinnen und Schüler „erweitern ihr Wissen über Formate, Funktionen und Gestaltungsmöglichkeiten von Medien“, werden sich der „institutionellen und kommunikativen Dimensionen von Medien bewusst“ und setzen sich mit ihrem eigenen Mediengebrauch kritisch auseinander. Um das Lernen mit Medien zu vertiefen, gestalten sie eigene audiovisuelle Texte „funktional und kreativ“ (S. 38).

 

Im Sinne des spiralcurricularen Aufbaus ist das Kapitel „Medien“ analog zu den Klassen 5 und 6 gegliedert; die Kompetenzen werden vertieft und weiter ausgebaut.

 

(I)    Medien kennen
Die Schülerinnen und Schüler lernen Medien auf einem höheren Reflexionsniveau kennen, indem sie Medien in Bezug auf ihre Darbietungsform und Kommunikationsfunktion beschreiben, wie zum Beispiel Hörmedien, visuelle und audiovisuelle Medien, Printmedien, digitale Plattformen oder Soziale Netzwerke. Sie begegnen Medien als Mittel der Information, Kommunikation und Unterhaltung, jedoch auch als Werbeinstrument. Sie setzen sich mit der Mediengeschichte auseinander und erfahren, wie Informationen vor der Erfindung des Buchdrucks verbreitet wurden und welche Reichweite mittelalterliche Medien damals hatten.

 

(II)    Medien nutzen
Die Schülerinnen und Schüler können Print- und digitale Medien gezielt nutzen und funktional auswählen. Auch die Informationskompetenz wird geschult: Mittels komplexerer Suchstrategien, Hilfsmittel und Methoden der Texterschließung können die Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen medialen Quellen Informationen gewinnen und diese kriterienorientiert bewerten. Sie lernen darüber hinaus, Medien zur Unterstützung des eigenen Lernprozesses einzusetzen, indem sie zum Beispiel ihren eigenen Lernweg mittels eines Lernwegeportfolios dokumentieren (S. 38).

 

(III)    Medien gestalten
Durch eine Präsentationssoftware gestalten die Schülerinnen und Schüler lineare und nichtlineare Texte überlegt. In medialen Kommunikationssituationen, zum Beispiel im Blog oder Chat, können sie ihre Beiträge adressatenbezogen und dem jeweiligen Medium entsprechend formulieren (S. 39).

 

Auch aktive Medienarbeit ist unter „Gestalten“ berücksichtigt: Die Schülerinnen und Schüler werden kreativ-produktiv tätig, indem sie literarische Vorlagen zum Beispiel in ein Storyboard, ein Hörspiel oder einen audiovisuellen Text übertragen (S. 39).

Hermann Hesse; Bild: Wikimedia Commons

(IV)    Medien verstehen
Um die Medienlandschaft zu verstehen, lernen die Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht, ihre Lebenswirklichkeit von fiktionalen Welten, die ihnen durch die Medien vermittelt werden, zu unterscheiden und Wechselwirkungen zwischen Virtualität und Realität zu beschreiben. Sie entwickeln eigene Bildvorstellungen und vergleichen diese mit audiovisuellen Bildelementen; sie kennen die Zusammenhänge zwischen Bildelementen und anderen Medien (S. 39).

 

Die Filmbildung wird unter diesem Teilaspekt des Deutschunterrichts besonders fokussiert: Die Schülerinnen und Schüler können die Handlung von Filmen mittels filmischer und erzähltechnischer Fachbegriffe wie zum Beispiel Rückblende, Rahmen- und Binnenhandlung erläutern und die Verwendung filmischer Gestaltungsmittel wie zum Beispiel unterschiedliche Kameraeinstellungen, Ausleuchtungen, Ton etc. interpretieren. Sie können Literaturverfilmungen und Theaterinszenierungen analysieren und mit der Textvorlage vergleichen (S. 39 f.).

 

(V)    Medien problematisieren
Unter „Problematisieren“ finden sich analog zur Klassenstufe 5 und 6 auch in den Klassen 7 und 8 zahlreiche Aspekte des Jugendmedienschutzes: Der Deutschunterricht soll die Schülerinnen und Schüler dazu anregen, mögliche Gefahren der Mediennutzung zu erkennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, sodass sie in ihrem Alltag angemessen und präventiv reagieren können. Ein wichtiger Schritt hierfür ist, dass sich die Jugendlichen zunächst ihrer eigenen Mediennutzung bewusst werden und diese kritisch hinterfragen. Für den Unterricht kann dies exemplarisch an Themen wie Cybermobbing oder durch Medien beeinflusstes Konsumverhalten erarbeitet werden.

 

Urheberrecht und Datenschutz beim Umgang mit den Medien zu berücksichtigen, wird ein immer wichtigeres Thema, dem sich auch der Deutschunterricht laut Bildungsplan 2016 widmen soll. Mediale Quellen in Hinblick auf ihre Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit zu prüfen, soll desgleichen als Kernkompetenz vertieft werden (S. 40).

 

Kompetenzbereich „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“


In Hinblick auf „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“ ist Medienbildung für die Klassen 7 und 8 ebenfalls nur in Ansätzen verankert. Ein Aspekt ist der reflektierte Umgang mit digitalen Rechtschreibhilfen (S. 41).

 

Um sprachliche Äußerungen funktional zu gestalten, wird auch die Kenntnis von unterschiedlichen Vortrags- und Präsentationstechniken, die adressatengerecht, zielführend und begründet eingesetzt werden sollen, als zu erlangende Kompetenz angeführt. Hierzu gehört ebenfalls, kriterienorientiertes Feedback zu Präsentationen formulieren und aktiv einholen und nutzen zu können (S. 45).

 

Unter „Sprache und Identität“ sollen die Schülerinnen und Schüler des Weiteren zum Beispiel anhand von Werbung untersuchen, welche Formen der Überredung und Überzeugung eingesetzt werden, um den Konsumenten zu instrumentalisieren (S. 46).

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Klassen 9/10

In den Klassen 9 und 10 bauen die Schülerinnen und Schüler ihre medienbildnerischen Kompetenzen weiter aus. Im Fokus steht dem Alter entsprechend die Analyse und Reflexion der Medienlandschaft.

 

Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“

Bild: Tomislav Medak, Lizenz: CC BY-SA

In den Klassen 9 und 10 vertiefen die Schülerinnen und Schüler unter dem Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“ ihre Informations- und Präsentationskompetenz, aber auch die Fähigkeit, Medien zu analysieren und kritisch zu hinterfragen. Aufgrund des erweiterten Textbegriffs werden Texte unterschiedlichster medialer Gestaltung erschlossen, analysiert, kontextualisiert und bewertet.

 

Die Einleitung zum Unterkapitel „Medien“ betont die zunehmende Sicherheit und Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler beim Umgang und bei der Nutzung der verschiedenen Medienformate und -angebote. Die in den vorherigen Klassenstufen erworbenen Kompetenzen werden vertieft und zunehmend selbstständig angewendet.

 

(I)    Medien kennen
Im Zentrum der Klassen 9 und 10 stehen die Analyse, der Vergleich und die Bewertung verschiedener Printmedien und digitaler Medien, zum Beispiel anhand eines Vergleichs von Print-Zeitungen mit Online-Zeitungen. Auch die Funktionen und Wirkungsabsichten von Medien, wie zum Beispiel Information, Kommunikation, Unterhaltung, Meinungsbildung, Manipulation oder politische Kontrollfunktion, werden eingehend analysiert und bewertet. Unter dem Aspekt der Mediengeschichte setzen sich die Schülerinnen und Schüler außerdem mit der fortschreitenden Digitalisierung unserer Gesellschaft auseinander.

 

(II)    Medien nutzen
Die Schülerinnen und Schüler können Medien gezielt und selbstständig zum Beispiel für Recherchezwecke nutzen und die Auswahl differenziert begründen. Sie setzen komplexere Suchstrategien, Hilfsmittel und Methoden der Texterschließung ein, um Informationen zu gewinnen und zu bewerten. Der Hypertext wird als neues Mittel eingesetzt, um den eigenen Lernweg zu dokumentieren.

 

(III)    Medien gestalten
Die Schülerinnen und Schüler gestalten eigene Texte mithilfe geeigneter Medien oder Programme, formulieren eigene Beiträge adressatenbezogen und dem jeweiligen Medium entsprechend. Sie können eine Vorlage medial umformen, indem sie zum Beispiel einen Zeitungstext in eine Online-Version oder eine Kurzgeschichte in einen Kurzfilm umwandeln.

 

(IV)    Medien verstehen
Um Medien zu verstehen, nähern sich die Schülerinnen und Schüler in den Klassen 9 und 10 auf einem höheren Reflexionsniveau der Medienanalyse an. Sie erfassen zentrale Inhalte eines Films oder Hörspiels, können die Handlungsstruktur mit Hilfe filmischer und erzähltechnischer Fachbegriffe erläutern, Kriterien einer Filmanalyse erarbeiten und ein Filmprotokoll zu einer kurzen Szene erstellen. Sie analysieren eine Literaturverfilmung, indem sie sie mit der Textvorlage vergleichen.

 

(V)    Medien problematisieren
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit den Gefahren, die sich bei der Mediennutzung ergeben können, auseinander und reflektieren ihr eigenes Medienverhalten kritisch. Indem sie eine Nachricht in unterschiedlichen Medienformaten vergleichen, prüfen sie Medien in Bezug auf ihre Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit. Sie können den Begriff der Pressefreiheit erläutern und berücksichtigen beim Umgang mit Medien Urheberrecht und Datenschutz.

 

Kompetenzbereich „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“

 

In Hinblick auf „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“ ist Medienbildung für die Klassen 9 und 10 ebenfalls nur in Ansätzen verankert. Ein Aspekt ist der reflektierte Umgang mit digitalen Rechtschreibhilfen (S. 56).

 

Um sprachliche Äußerungen funktional zu gestalten, wird die Kenntnis von unterschiedlichen Vortrags- und Präsentationstechniken, die adressatengerecht, zielführend und begründet eingesetzt werden sollen, als zu erlangende Kompetenz angeführt. Die Analyse der eigenen Präsentation und Optimierungsvorschläge werden als Vertiefungskompetenzen angeführt. Auch kriterienorientiertes Feedback zu Präsentationen zu formulieren, zu beachten und korrekt anzuwenden, trainiert die Präsentationskompetenz der Schülerinnen und Schüler zusätzlich (S. 57 f.).

 

Unter „Sprache und Identität“ setzen sich die Schülerinnen und Schüler bei der Medienanalyse auch mit Formen und Strategien der Manipulation und Persuasion auseinander, indem sie zum Beispiel unterschiedliche Reden in Hinblick auf ihre rhetorischen Techniken und Strategien untersuchen oder die Funktionsweise und Intention verschiedener Werbeformate kritisch hinterfragen (S. 58).

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Klassen 11/12

In der Kursstufe bauen die Schülerinnen und Schüler ihre medienbildnerischen Kompetenzen weiter aus und setzen sich vor allem mit der heutigen Mediengesellschaft und ihrer Analyse auseinander.

 

Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“

Johann Wolfgang von Goethe; Bild: Wikimedia Commons

Unter dem Kompetenzbereich „Texte und andere Medien“ vertiefen die Schülerinnen und Schüler im Sinne des spiralcurricularen Ansatzes auch in den Klassen 11 und 12 ihre Informationskompetenz, indem sie einschlägige Quellen wie zum Beispiel das Internet oder Sach- und Fachliteratur nutzen, um Texte zu interpretieren. Auch die Präsentationskompetenz bauen sie weiter aus, indem sie Informationen aus nichtlinearen Texten wie zum Beispiel Diagrammen, Schaubildern, Tabellen oder Infografiken in andere (nicht)lineare Texte umwandeln. Aufgrund des erweiterten Textbegriffs setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit Texten unterschiedlichster medialer Gestaltung auseinander, analysieren diese und bestimmen ihre unterschiedliche Funktion (ab S. 63).

 

Die Einleitung zum Unterkapitel „Medien“ betont im Sinne des Spiralcurriculums den nun „routiniert[en]“ Umgang der Schülerinnen und Schüler mit dem vielfältigen Medienangebot. Sie setzen sich mit diesem kritisch auseinander und „erkennen zunehmend die komplexen Bedingungen und Strukturen einer medial vermittelten Welt“. Hierbei greifen sie auf ein „breite[s] begriffliche[s] und methodische[s] Instrumentarium“ zurück und erschließen die „funktionalen, kommunikativen und ästhetischen Dimensionen von Medienangeboten“ (S. 71).

 

(I)    Medien kennen
Unter dem Bereich „Medien kennen“ setzen sich die Schülerinnen und Schüler in der Kursstufe primär mit der Medienanalyse auseinander. Sie unterscheiden, vergleichen und reflektieren hierfür kritisch die Funktionen und Wirkungsabsichten unterschiedlicher Medien, indem sie zum Beispiel Online- mit Print-Zeitungen vergleichen; sie können außerdem die Ergebnisse auf ihren eigenen Mediengebrauch übertragen.

 

(II)    Medien nutzen
Die Schülerinnen und Schüler gebrauchen die unterschiedlichen Medienangebote und -formate „selbstständig“ und „reflektiert“, indem sie zum Beispiel mediale Quellen für Recherchezwecke nutzen und die gewonnenen Informationen kritisch hinterfragen. Sie können verschiedene Medien zudem einsetzen, um ihren eigenen Lernweg zu dokumentieren.

 

(III)    Medien gestalten
Die Schülerinnen und Schüler gestalten Texte reflektiert in unterschiedlichen Medien und verfassen diese adressatenbezogen sowie format- und situationsgerecht.

 

(IV)    Medien verstehen
Um Medien zu verstehen, begreifen die Schülerinnen und Schüler das medial Dargestellte als Konstrukt und reflektieren es kritisch, indem sie zum Beispiel Film und Wirklichkeit miteinander vergleichen. Sie können ihren Gesamteindruck eines Bildes, Films, Hörspiels oder einer Theaterinszenierung erläutern und diese sachgerecht und aspektorientiert analysieren und interpretieren. Hierfür setzen sie sich bei der Interpretation eines Films zum Beispiel auch mit Filmkritik und Aspekten der Filmtheorie auseinander. Sie entwickeln sowohl eigene Bildvorstellungen, zum Beispiel ein Setting, können jedoch auch vorhandene Bilder analysieren und interpretieren.

 

(V)    Medien problematisieren
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Gefahren der Mediennutzung, zum Beispiel Cybermobbing oder einem allzu sorglosen Umgang mit dem Urheberrecht oder Schutz der eigenen Daten, auseinander und lernen, wie sie angemessen und präventiv reagieren können. Hierfür hinterfragen sie auch das eigene Medienverhalten kritisch und leiten Möglichkeiten ab, wie sie selbst ethisch reflektiert Medien gebrauchen können. Dies kann zum Beispiel anhand des eigenen Kommunikationsverhaltens in Sozialen Netzwerken und der Frage, wie man selbst gerne behandelt werden möchte, erarbeitet werden. Sie erkennen Medien als zentrale Einflussfaktoren und können die Bedingungen und Strukturen einer medial vermittelten Welt analysieren und reflektieren, indem sie zum Beispiel untersuchen, wie Medien durch ihre Berichterstattung auf politische Themen Einfluss nehmen, oder herausarbeiten, wie Medien ihr eigenes Leben beeinflussen.

 

Kompetenzbereich „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“

 

In Hinblick auf „Sprachgebrauch und Sprachreflexion“ ist Medienbildung für die Kursstufe ebenfalls nur in Ansätzen verankert. Um sprachliche Äußerungen funktional zu gestalten, wird die Kenntnis von unterschiedlichen Vortrags- und Präsentationstechniken, die adressatengerecht, zielführend und begründet eingesetzt werden sollen, als zu erlangende Kompetenz angeführt. Die Analyse der eigenen Präsentation und Optimierungsvorschläge werden als Vertiefungskompetenzen angeführt. Auch regelgerechtes Feedback zu Präsentationen zu formulieren und routiniert und reflektiert als Optimierungsinstrument anzuwenden, trainiert die Präsentationskompetenz der Schülerinnen und Schüler zusätzlich (ab S. 74).

 

Unter „Sprache und Identität“ setzen sich die Schülerinnen und Schüler bei der Medienanalyse auch mit Sprache als Instrument der Durchsetzung politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Interessen und der Machtausübung kritisch auseinander, indem sie zum Beispiel unterschiedliche Reden in Hinblick auf ihre rhetorischen Techniken und Strategien untersuchen oder die Funktionsweise und Intention verschiedener Werbeformate kritisch hinterfragen (S. 78 f.).


Insgesamt hat der Deutschunterricht somit in den neuen Bildungsplänen des Gymnasiums die Leitperspektive Medienbildung umfassend verankert und trägt den verschiedensten Bereichen der Medienbildung Rechnung.

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Filmbildung im Deutschunterricht: The Present

Deutsch, Klasse 5–6, Sek I/Gym: Der Animationsfilm eignet sich für die Thematisierung der Figurenbeziehung und Bildsprache im Film und kann darüber hinaus zur Thematisierung von Behinderung, Tierliebe und Freizeitaktivitäten dienen. weiterlesen

Unterrichtsmodul: Cybermobbing – erkennen und handeln

Deutsch/fachunabhängig, Klasse 6, GY/WRS/RS: Anhand vieler praktischer Übungen bekommen die Schülerinnen und Schüler schnell heraus, welche Rollen beim Mobbingprozess von Bedeutung sind. Sie werden über Risiken der Nutzung von Sozialen Netzwerken informiert. Sie erkennen, dass Mobbing, egal in...weiterlesen

Unterrichtsmodul: Liverpool Goalie: Filmanalyse

Deutsch, Klasse 8, Sek I/Gym: In diesem Unterrichtsmodul werden erste filmische Gestaltungsmittel erarbeitet, im szenischen Spiel Handlungsoptionen der Figuren ausgelotet und im kreativen Schreibprozess die eigene Lebenswelt mit der filmischen verglichen.weiterlesen

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