Alltagskultur, Ernährung, Soziales – Sekundarstufe I – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Alltagskultur, Ernährung, Soziales in der Sekundarstufe I vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Alltagskultur, Ernährung, Soziales (AES) ist ein Fach, welches im Rahmen der Bildungsplanreform 2016 neu eingeführt wurde. Dementsprechend sind weder im Bildungsplan 2004 für Realschulen, noch im Bildungsplan 2012 für Haupt- und Werkrealschulen Hinweise auf die Leitperspektive Medienbildung in diesem Fach zu finden. Eine gewisse (fachunspezifische) Vorarbeit wurde jedoch im Rahmen anderer Fächer (Gemeinschaftskunde, Biologie, Naturphänomene, ITG, BNT, NwT u.a.) geleistet.


Die Bereiche der Medienbildung, die im Bildungsplan 2016 mit „Produktion und Präsentation“, „Kommunikation und Kooperation“, „Mediengesellschaft und Analyse“ und „Informationstechnische Grundlagen“ benannt sind, werden neu im AES Unterricht der Sekundarstufe I verankert. Das Fach eignet sich aufgrund seiner inhaltlichen Ausrichtung in hohem Maße zur Integration der Medienbildung in den Unterricht. Eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg ist also für den AES Unterricht vergleichsweise leicht umzusetzen. Alltagskultur, Ernährung, Soziales (AES) startet als Wahlpflichtfach ab Klasse 7.

Medienkompetenz und Medienbildung im AES Unterricht ab 2016

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In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ im Bildungsplan 2016 wird die Medienbildung für die Sekundarstufe I eher allgemein beschrieben. Die „mediale Durchdringung“  der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler ist offensichtlich, die Schülerinnen und Schüler sollen zu einem „kompetenten Umgang und der sinnvollen Nutzung medialer Angebote“  befähigt werden (BP 2016, SEK I, AES, S. 4). Unterschiedliche Medien sollen nicht nur thematisiert, sondern auch aktiv genutzt werden. Konkret erwähnt wird zudem die Analyse und Reflexion von Werbung und Marketing als wesentlicher Bestandteil der Medienbildung im AES Unterricht.


Das Fach bietet darüber hinaus viele weitere Anlässe zur (alltagsbezogenen) Medienbildung. Als „interdisziplinäres Fach, das gleichermaßen natur- und gesellschaftswissenschaftliche Inhalte berücksichtigt“ (S. 5) eignet sich AES in besonderem Maße zur Integration der Medienbildung in den Fachunterricht. Insbesondere der Bereich „Alltagskultur und Soziales“ birgt ein enormes Potential für die gezielte Förderung der unterschiedlichen Medienkompetenzbereiche. Hier sollen die Schülerinnen und Schüler „Handlungskompetenzen für die Alltagsbewältigung“ entwickeln (S. 3).

Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

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Die Medienbildung in der Sekundarstufe I ist als Leitperspektive in zwei der vier prozessbezogenen Kompetenzen integriert. Explizit erwähnt wird sie im Bereich „Erkenntnisse gewinnen“ und „Kommunikation gestalten“.  In diesen beiden Bereichen werden die geforderten Kompetenzen wie folgt konkretisiert:

(1)    Erkenntnisse gewinnen (BP 2016, SEK I, AES, S. 9):
„Erkenntnisse gewinnen“ bedeutet notwendige Informationen zu alltagskulturellen Frage- und Problemstellungen selbständig zu recherchieren und auszuwerten. Die Fragestellungen hierzu sollen zum größten Teil selbst formuliert sein. Die Schülerinnen und Schüler sollen in der Lage sein, „eigenständig Sach- und Fachinformationen mithilfe analoger und digitaler Medien zu beschaffen und auszuwerten“ (S. 9). Darüber hinaus sollen im Alltag gesammelte Erfahrungen über „den Einfluss von Medien und Mitmenschen auf Bedürfnisse und Alltagshandeln“ (ebd.) analysiert werden.

(2)    Kommunikation gestalten (BP 2016, SEK I, AES, S. 10):
„Kommunikation gestalten“ bedeutet, sich über alltagskulturelle Sachverhalte und Problemstellungen auszutauschen. Informationen, Erfahrungen und Erkenntnisse  sollen dabei „mit angemessenen Präsentationsformen und Medien, auch unter Einsatz geeigneter Werkzeuge zur digitalen Kommunikation, adressatengerecht“ aufbereitet und präsentiert werden (S. 10). Sachinformationen wie z.B. Tabellen und grafische Darstellungen sollen bewertet und der Einfluss von Medien auf Bedürfnisse und Entscheidungen soll reflektiert werden (ebd.).

In den Kompetenzbereichen „Entscheidungen treffen“ sowie „Anwenden und Gestalten“ sind keine medienbildnerischen Kompetenzen integriert.

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Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Der sachgerechte Einsatz von Medien und dessen Reflektion ist verbindlicher Bestandteil des AES Unterrichts. Dies gilt insbesondere für die Kompetenzbereiche „Erkenntnisse gewinnen“  und „Kommunikation gestalten“. Insgesamt spielt die Medienbildung auf allen drei Niveaustufen G, M, E eine tragende Rolle. Auch über den im Bildungsplan genannten Umfang hinaus können Medien ergänzend als Hilfsmittel und zur Vertiefung des Verständnisses eingesetzt werden.
Im Folgenden werden die medienbildnerischen Aspekte nach Klassenstufe geordnet summarisch dargelegt:

Klassen 7/8/9

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In den Klassen 7/8/9 steht der Erwerb von Medienkompetenz im AES Unterricht im Zusammenhang mit den Leitideen Ernährung, Gesundheit, Konsum und Lebensgestaltung.


Unter der Leitidee „Ernährungsbezogenes Wissen“ sollen die Schülerinnen und Schüler ihre medienbildnerische Kompetenz erweitern, indem sie „Ernährungsempfehlungen und -regeln analysieren, begründen und zielgruppenorientiert erklären“ (S. 18). Dabei werden Medien vor allem als Hilfsmittel sowie zur Recherche und Aneignung von Wissen eingesetzt.

 

Im Bereich „Gesundheit“ wird die Medienbildung in Zusammenhang mit den Leitideen „Gesundheitsbezogenes Wissen“ und „Gesundheitsmanagement im Alltag“ konkret erwähnt. Im Sinne der Medienkompetenz werden Information aus vorgegebenen und selbstgewählten Quellen entnommen und informationstechnische Grundlagen erlernt. Im Zusammenhang mit der Leitidee „Gesundheitsbezogenes Wissen“ nutzen die Schülerinnen und Schüler Medien als Hilfsmittel um „die Subjektivität ihres eigenen Gesundheitsverständnisses“ herauszuarbeiten und mit verschieden Auslegungen (z.B. WHO-Definition) zu vergleichen (S. 23). Außerdem kommen Medien als Hilfsmittel zur Darstellung unterschiedlicher Gesundheitsmodelle (Biomedizinisches Modell, Biopsychosoziales Modell, Modell zur Salutogenese) zum Einsatz. Darüber hinaus finden Medien Einsatz zur Analyse und Auswertung von Essverhalten und körperlicher Aktivität. Zudem sollen die Schülerinnen und Schüler durch den Einsatz von Medien „regionale Angebote zur Förderung der Gesundheit selbständig recherchieren“, sowie „Handlungsoptionen ableiten und darstellen“ (S. 24). Hierbei sollen ebenfalls informationstechnische Grundlagen erlernt werden.


Im Bereich „Gesundheitsmanagement im Alltag“ befassen sich die Schülerinnen und Schüler mit der „Mediengesellschaft“ und untersuchen „Medien als Einflussfaktoren“. Dabei sollen sie mögliche persönliche Stressoren erkennen, darstellen und mögliche körperliche Reaktionen erklären (vgl. S. 26).
Auch im Bereich „Konsum“ werden Medien als Einflussfaktoren erwähnt. Medien sind hinsichtlich dieser Thematik ein zentraler Bestandteil und werden sowohl als Hilfsmittel genutzt als auch reflektiert und bewertet. Zum einen soll das eigene Konsumverhalten analysiert und überprüft werden, zum anderen soll der Einfluss von Medien auf das Konsumverhalten untersucht werden (S. 30ff). Des Weiteren spielt die Medienanalyse eine wichtige Rolle: Mit Hilfe von Medien sollen die Schülerinnen und Schüler „Marketingstrategien erläutern, diese analysieren, und Werbeversprechen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen und beurteilen“ (S. 30). Durch handlungsorientierten Unterricht sollen sie „Produkte oder Dienstleistungen hinsichtlich ihrer Qualitätsmerkmale bewerten und die Ergebnisse anderen erklären“ (S. 33). Im Sinne des Verbraucherschutzes und der Mediengesellschaft sollen die Schülerinnen und Schüler „Verbraucherschutzinstitutionen recherchieren und deren Zielsetzungen anderen klären“ sowie „rechtliche Bestimmungen bei Onlinegeschäften darstellen, deren Risiken erläutern und in Bezug auf das eigene Konsumverhalten diskutieren“ (S. 38). In diesem Kontext wird auch der Zusammenhang zwischen Verbraucherschutz und Medienbildung unterstrichen.

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Im Kompetenzbereich „Lebensbewältigung und Lebensgestaltung“ findet sich lediglich ein Hinweis auf medienbildnerische Kompetenzen. Die Schülerinnen und Schüler sollen zum „Zusammenleben verschiedener Generationen“ recherchieren und die „Auswirkungen sozialer Rahmenbedingungen auf die Entwicklung von Kindern beziehungsweise auf das Wohlbefinden älterer Menschen beschreiben und Unterstützungsangebote recherchieren und beurteilen“ (S. 45). Offensichtlich wurde dieses Themengebiet exemplarisch gewählt, denn nahezu alle anderen Themengebiete lassen sich mit der gleichen Berechtigung dem medienbildnerischen Bereich „Information und Wissen“ zuordnen, indem sich die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel Informationen zu einem Themenkomplex selbständig im Internet recherchieren.
Von Klasse 7 bis 9 muss zudem mindestens ein fachbezogenes Projektvorhaben mit dem Schwerpunkt „Lernen durch Engagement“ durchgeführt werden, indem die im Fachunterricht erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten Anwendung finden (vgl. S. 13). Im Rahmen dieses Projektes setzen sich die Schülerinnen und Schüler „mit verschiedenen Formen des bürgerlichen Engagements auseinander und erkennen die soziale Bedeutung aktiver Teilhabe am demokratischen Zusammenleben“ (S. 13). Die Projektideen sollen die Schülerinnen und Schüler weitestgehend selbst entwickeln. Im Rahmen dieses Projektes wird die Medienkompetenz „Produktion und Präsentation“ dahingehend gefördert, dass die Schülerinnen und Schüler „einer ausgewählten Zielgruppe ihre Projektergebnisse darstellen“ (S. 15).

 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass in den Klassen 7/8/9 die Medienbildung im Fach AES im Wesentlichen hinsichtlich zweier Kompetenzbereiche gefördert wird: Information und Wissen sowie Mediengesellschaft und -analyse. Zum einen soll die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler durch die Recherche von Informationen und Aneignung von Wissen, im Zusammenhang mit mehreren inhaltsbezogenen Kompetenzen, gefördert werden; zum anderen sollen die Schülerinnen und Schüler für das Leben in der Mediengesellschaft sensibilisiert werden und die Fähigkeit erlangen, Medien kritisch zu analysieren und, insbesondere unter dem Aspekt des Verbraucherschutzes, zu bewerten.

Klasse 10

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Der AES Unterricht in Klasse 10 legt den inhaltlichen Schwerpunkt auf die beiden Bereiche „Ernährung und Gesundheit“ sowie „Lebensgestaltung und Konsum“. Im AES Unterricht der Klasse 10 tritt die Medienbildung lediglich im Kontext der Leitidee „Ernährung und Gesundheit“ auf. Im Bereich „Lebensgestaltung und Konsum“ finden sich keine konkreten Hinweise auf Medienbildung. Hier könnten über den im Bildungsplan genannten Umfang hinaus Medien ergänzend als Hilfsmittel eingesetzt werden, oder die in Klasse 7/8/9 erlernten medienbildnerischen Fähigkeiten wieder aufgegriffen werden.
Im Kontext der „Ernährung und Gesundheit“ sollen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Entwicklungen im Ernährungsbereich kritisch auseinandersetzen, Informationen zu Ernährungstrends selbständig recherchieren und unter Berücksichtigung „nachhaltigkeitsrelevanter Kriterien bewerten“ (S. 48).


Konkrete Erwähnung findet zudem die Analyse und Reflexion von Werbung und Marketing. Die Schülerinnen und Schüler sollen „Warenkennzeichnung nutzen, um ausgewählte Lebensmittel kriteriengeleitet zu vergleichen […], mögliche Werbeversprechen zu diskutieren und zu bewerten […] sowie Handlungsoptionen zu entwickeln“ (S. 47). Unterschiedliche Medien sollen hier nicht nur thematisiert, sondern auch aktiv genutzt werden. Die Fähigkeit, Medien zu analysieren und zu verstehen, ist grundlegend, um die Einflussnahme durch die Werbung zu erkennen und einordnen zu können. Hier wird erneut der Zusammenhang zwischen Verbraucherschutz und Medienbildung verdeutlicht.


Die fünf Medienkompetenzbereiche tauchen im Bildungsplan 2016 für das Fach AES, in den Klassen 7/8/9 und 10, im Zusammenhang mit folgenden Inhalten auf:

MedienkompetenzInhaltsbezogene Kompetenzen
Information und WissenErnährung, Gesundheit, Konsum, Lebensbewältigung und Lebensgestaltung, Lernen durch Engagement (Projekt)
Kommunikation und KooperationKeine explizit
Produktion und PräsentationLernen durch Engagement (Projekt)
Mediengesellschaft und AnalyseGesundheit, Konsum, Verbraucherschutz
Informationstechnische GrundlagenGesundheit

Insgesamt werden im AES Unterricht von Klasse 7 bis 10 nahezu alle Medienkompetenzbereiche gefördert. Der Bereich „Kommunikation und Kooperation“ wird im Bildungsplan 2016 für das Fach AES zwar nicht explizit erwähnt, aufgrund der geforderten inhalts- und prozessbezogenen Kompetenzen ist jedoch offensichtlich, dass auch dieser Bereich in ausreichendem Maße gefördert wird. Aufgrund seiner Themen und Strukturen bietet der AES Unterricht – auch über den Bildungsplan hinaus – viele weitere Anlässe zur (alltagsbezogenen) Medienbildung, bei der die entsprechenden Medien nicht nur erwähnt, sondern auch aktiv genutzt werden können.

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