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Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Die Entwicklungen in der Türkei nach dem Referendum werfen viele Fragen auf. Mit Hilfe geeigneter Medien lässt sich die Thematik auch im Unterricht behandeln.

Am 16. April 2017 haben die türkischen Bürger über die Verfassungsänderung von Präsident Erdoğan abgestimmt. Wie zu erwarten war, fiel das Ergebnis äußerst knapp aus. Nach vorläufigen Auszählergebnissen sprachen sich 51,37 Prozent für die Verfassungsänderung aus, während 48,63 Prozent mit „Hayır“ (Nein) stimmten. Durch diese Entscheidung wird Präsident Recep Tayyip Erdoğan eine deutlich größere Machtfülle erhalten. Allerdings kündigte die Opposition bereits Einspruch an.

 

Bundesdeutsche Politiker haben das Wahlresultat aus den verschiedensten Blickwinkeln kommentiert, wobei das Verhältnis Erdoğans zur EU und die laufenden Beitrittsverhandlungen der Türkei häufig ein Schwerpunktthema waren. Beispielsweise hat der CDU-Außenexperte Norbert Röttgen ein förmliches Aussetzen der EU-Beitrittsverhandlungen verlangt. „Die Fortsetzung von Beitrittsverhandlungen mit einem Land, das sich gegen die Grundprinzipien Europas, nämlich der Rechtsstaatlichkeit und der Demokratie entschieden hat, wären ein Widerspruch in sich“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hingegen schließt einen EU-Beitritt der Türkei nicht aus. „Die Türkei hat es in der Hand“ , sagte Gabriel der Bild-Zeitung. „Entscheidungen stehen doch für längere Zeit noch gar nicht an, jetzt ginge ein Beitritt ohnehin nicht“, sagte Gabriel dem Blatt. Die Türkei sollte sich aber nicht noch weiter von Europa entfernen, „schon in ihrem eigenen Interesse“, sagte der Außenminister.

 

Lehrkräften, die das Referendum zur Verfassungsänderung als Unterrichtsthema aufnehmen und es in der Rückschau vor allem hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der EU diskutieren wollen, empfehlen wir zur medialen Unterstützung das folgende Medium:

 

4632760                                                                                                                                                                   Die Türkei - Zwischen Orient und EU

ca. 25 min f DVD-Video D 2011

 

Die widersprüchlichen Meinungen und Strömungen zu Fragen der Innen- und Außenpolitik stellen die EU-Tauglichkeit der Türkei zunehmend in Frage. Wohin geht der Trend der türkischen Politik tatsächlich? Wohin tendiert das Volk? Möchte es einen EU Beitritt, oder die Fraternisierung mit dem Osten, hin zur Politik des Iran oder Syriens? Droht gar ein Abgleiten in den Islamismus? War die Orientierung an Europa unter Atatürk noch dominierend, so werden nun gegenteilige Strömungen sichtbar. Der Film begibt sich auf die Suche nach der Antwort, indem er den Menschen aus diesem Land das Wort erteilt und es dabei mit seinen unterschiedlichen Gesichtern vorstellt. Unterschiedlich in den Bildern seiner Städte und Landschaften, unterschiedlich in seiner Meinung zur Kurdenfrage, dem Zypernkonflikt, dem EU-Beitritt und seinem Ost-West-Gefälle.

 

Adressaten: A(9-13)

Fächer BP 2004: Erdkunde - Wirtschaftskunde – Gemeinschaftskunde, Geographie - Wirtschaft – Gemeinschaftskunde, Gemeinschaftskunde

Fächer BP 2016: Gemeinschaftskunde (Sek1, GY)

 

Didaktische Hinweise: Der Film lässt sich besonders gut im Zusammenhang der Diskussion der Frage eines möglichen EU-Beitritts der Türkei einsetzen. Alle dazu relevanten historischen, politischen, ökonomischen, kulturellen Gesichtspunkte werden angesprochen. Interviewsequenzen mischen sich mit historischen Rückblenden und aktueller Berichterstattung, sodass der Zuschauer auf interessante Weise umfassend über das Land in seiner gegenwärtigen Situation informiert wird. Durch die Vielzahl von Eindrücken und Informationen eignet sich der Film als Grundlage für eine anschließende fundierte Diskussion.

Bildungsstandards BP 2004: RS: BS10; GY: BS10, KS

Bildungsstandards BP 2016: Sek1: BS10; GY: BS10

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Zusätzlich verweisen wir auf unsere thematische Medienliste zur Europäischen Union

18.04.2017